Warum Zeit allein keine Wunden heilt

Warum Zeit allein keine Wunden heilt

„Zeit heilt alle Wunden“ ist ein gutes Beispiel für eine sehr dumme Volksweisheit. Und es gibt viel zu viele Menschen, die tatsächlich danach leben. Wenn etwas Schlimmes passiert, dann warten sie einfach ab und hoffen, dass es irgendwann einmal nicht mehr wehtut.

Bist du auch einer dieser Menschen, der auf die magischen Fähigkeiten der Zeit vertraut anstatt sich proaktiv um seinen Schmerz zu kümmern? Dann bist du in diesem Blogpost genau richtig.

Hier geht es darum, warum Zeit keine Wunden heilt und was du tun kannst, um deinen Schmerz aufzuarbeiten.

Wenn etwas passiert, was dir wehtut, ist es völlig verständlich, den Schmerz erst einmal abzulehnen. Vielleicht hast du das Gefühl, dass der Schmerz dich überflutet und du die Kontrolle verlierst. Eine Reaktion darauf kann sein, dass du den Schmerz rationalisierst oder ihn überhaupt nicht fühlen willst.

Neulich sagte eine meiner Klientinnen im Coaching über den Tod ihres Vaters, sie hoffe „…dass es irgendwann mal aufhört, dass man da immer dran denken muss.“

An diesem Satz fallen mir sofort drei Dinge auf, die nicht wahr sind.

Zum Einen gibt die Person in diesem Satz völlig die Verantwortung für ihre Gefühle an die Zeit ab. „Irgendwann“ soll der Schmerz aufhören. Einfach so am besten.

Warum sollte er?

Gibt es ein Ablaufdatum für Schmerz? Hat sie einen Vertrag unterschrieben, der irgendwann zu einem festen Datum endet? Der Schmerz hört nicht einfach so auf, nur weil eine bestimmte Zeit vergangen ist. Der Schmerz ist kein von einem kapitalistischen Wirtschaftssystem entwickeltes Küchengerät, das mit ziemlicher Sicherheit nach fünf Jahren kaputt geht.

Emotionale Heilung hat nichts mit Zeit zu tun. Emotionaler Schmerz ist kein gebrochenes Bein.

Die Trauer über einen verstorbenen Menschen kann nach zwanzig Jahren noch fast genauso intensiv sein wie kurz nachdem es passiert ist. Während ein anderer Mensch einen ähnlich intensiven Verlust vielleicht schon nach einem Jahr relativ gut aufgearbeitet hat. Die Zeit ist hier nicht der entscheidende Faktor.

Die zweite Sache, die an diesem Satz nicht wahr ist, ist das Wort „man“. Die Person redet von ihrem ganz persönlichen individuellen Schmerz und trotzdem benutzt sie das Wort man. Was hier passiert ist, dass sie sich von ihren eigenen Gefühlen dissoziiert. Nicht sie ist die Person, die einen schlimmen Verlust zu verkraften hat, sondern man. Damit lässt sie den Schmerz nicht an sich heran und übernimmt nicht die Verantwortung für ihre Gefühle. Die Wunde so zu heilen, wird schwierig.

Und last but not least benutzt sie das Wort „denken“, obwohl es hier um ein Gefühl und nicht ums Denken geht.

Warum ist es denn schlimm für sie, an ihren toten Vater zu denken? Weil der Gedanke mit einem Gefühl verbunden ist. Weil bei dem Gedanken an ihn auch der Schmerz hochkommt. Und den möchte sie nicht. Solange sie das Problem von der emotionalen auf die gedankliche Ebene verschiebt, wird es kaum zu lösen sein.

Die Frage, ob sie sich manchmal Zeit dafür nimmt, sich einfach hinzusetzen und um ihren Vater zu weinen, verneint sie. Dennoch hofft sie, „…dass es irgendwann mal aufhört, dass man da immer dran denken muss.“

 

Den Schmerz fühlen

Zeit allein heilt keine Wunden. Was sie hingegen heilt, ist zu fühlen.

Den Schmerz zu umarmen und ihn anzunehmen, das heilt ihn.

Jetzt kann es ein ziemlich weiter Weg vom Ablehnen des Schmerzes und dem Vertrauen auf die Zeit hin zu dem bejahenden Fühlen meines Schmerzes sein. Diesen Schalter umzuswitchen wird dir vielleicht erst einmal nicht leicht fallen. Vielleicht braucht es dafür etwas Übung.

Ich lade dich dazu ein, dir einmal die folgenden Fragen zu stellen:

Welche alte Wunde schleppst du heute noch mit dir rum, weil die Zeit sie nie geheilt hat?

Und was kannst du heute selber dafür tun, diese Wunde zu heilen?

Vielleicht hast du in deiner Kindheit Dinge erlebt, die für dich traumatisch waren. Vielleicht musstest du mit dem Verlust eines geliebten Menschen klarkommen. Vielleicht bist du nie richtig über die Trennung von deinem Ex-Partner oder deiner Ex-Partnerin hinweggekommen.

Welche Wunde auch immer du mit dir herumträgst: Die Zeit hat sie nicht geheilt. Nur du kannst sie heilen. Nur du kannst dich von diesem Schmerz erlösen. Nur du kannst Frieden mit dieser Sache machen.

Ich lade dich dazu ein, dir einmal genau klarzumachen, welche offenen Wunden du mit dir herumträgst. Und dann mache dir einen realistischen Plan zur Heilung deiner Wunden.

Natürlich kostet es erst einmal Überwindung, ins Fühlen zu kommen. Dafür musst du dich ein bisschen pushen.

Dennoch finde ich es wichtig, dabei nicht zu hart zu dir zu sein.

Vielleicht möchtest du dich erst einmal für 30 Minuten mit deinem Schmerz verabreden. Für ein erstes Kennenlernen. Vielleicht sogar für eine noch kürzere Zeitspanne. Hauptsache, du fängst an und tust den ersten Schritt.

Viele kleine Schritte, die du regelmäßig gehst, führen viel eher zum Erfolg als ein großer Schritt.

Wenn du einen großen Schritt machst und dich damit total überforderst, dann ist dir damit auch nicht geholfen. Aber wenn du jeden Tag einen kleinen Schritt machst, dann kommen dein Körper und dein Geist auch mit. Du veränderst deinen Umgang mit dem Schmerz langsam und nachhaltig.

Und insofern kommt dann auch wieder die Zeit ins Spiel. Aber eben nur in Verbindung mit dem Fühlen.

Den Schmerz zu fühlen, das heilt den Schmerz. Ganz still. Mit dem Blick nach innen. Für dich und mit dir. So geschieht Heilung.

Zeit heilt keine Wunden. Aber du schon. Du kannst deine Wunden heilen.

Die Kraft der Dankbarkeit

Die Kraft der Dankbarkeit

Dankbarkeit ist eines der mächtigsten Werkzeuge der persönlichen Transformation. Warum? Weil Dankbarkeit die Kraft hat, völlig deinen Fokus zu verschieben und damit deine Realität zu verändern.

Oftmals ist das „Problem“ nicht das eigentliche Problem, sondern dass ich ein Problem daraus mache. Wenn ich mich zu sehr auf das konzentriere, was ich nicht will, dann macht es das nur noch schlimmer. Es macht das „Problem“ immer größer und größer.

Dabei arbeite ich doch eigentlich daran, dass das Ungewünschte weggeht oder?

Auch wenn das meine Absicht dahinter ist, so erreiche ich mit meiner Fokussierung auf mein angebliches Problem doch genau das Gegenteil: Ich bekomme immer mehr davon.

Erinnere dich mal zurück an das letzte Mal als du ein Problem hattest und dich dann gedanklich sehr viel damit beschäftigt hast.

Ging es dir dadurch besser? Bist du das Ungewünschte dadurch losgeworden?

Wenn ja, herzlichen Glückwunsch.

Doch wahrscheinlich hast du eher die Erfahrung gemacht, dass du durch dein Reinsteigern in das Problem es noch mehr manifestiert hast.

 

Wozu kann dir Dankbarkeit dienen?

Und genau hier kommt die Dankbarkeit ins Spiel. Wenn du lernst, dich völlig von dem abzuwenden, was dich in deinem Leben stört und stattdessen eine Haltung der Dankbarkeit gegenüber den schönen Dingen einübst, was passiert dann?

Wenn du anfängst, für die schönen kleinen Dinge in deinem Leben dankbar zu sein, dann werden diese Dinge immer mehr.

Du kannst dir das ungefähr so vorstellen: Vor dir liegen zwei Hüpfburgen, in denen gerade keine Luft drin ist. Du hast eine Luftpumpe in der Hand. Jetzt ist erst mal objektiv gesehen in beiden Hüpfburgen keine Luft drin. Sie haben aber beide das Potential, riesengroß zu werden, wenn DU sie aufpumpst. Und die Luft, die du in sie reinpumpst ist die mentale Energie, die du in das Thema reingibst. Damit pumpst du sie auf. Jetzt kannst du dich entscheiden, welche Hüpfburg du aufpumpst. Du kannst sagen: „Ja, Probleme. Gib mir mehr davon!“ Und dann läufst du zur ersten Hüpfburg hin und schenkst ihr deine volle Aufmerksamkeit, deine volle Energie. Du verbringst Stunden damit, sie aufzupumpen. Am Ende steht sie riesengroß vor dir und die andere Hüpfburg siehst du eigentlich gar nicht mehr. Sie wird von der ersten Hüpfburg völlig überschattet.

Oder du entscheidest dich dafür, für die kleinen Dinge in deinem Leben dankbar zu sein. Du gehst zur zweiten Hüpfburg hin, auch wenn es dir noch etwas schwerfällt, dir vorzustellen, dass diese mickrige Hüpfburg mal riesengroß werden kann. Trotzdem fängst du an, in sie zu investieren. Du schenkst ihr deine Zeit und deine Energie. Und mit der Zeit wird diese Hüpfburg riesengroß und du siehst die erste Hüpfburg gar nicht mehr. Im Gegensatz zur anderen Hüpfburg erdrückt dich diese nicht, sondern sie richtet dich auf.

Das ist die Kraft der Dankbarkeit.

Dankbarkeit shiftet völlig deinen Fokus und lässt nebenbei deine Probleme klitzeklein werden. Dankbarkeit ist in diesem Sinne pure Selbstliebe, weil sie dir hilft, dein Leben schön zu finden und deine Zufriedenheit zu stärken.

Am Anfang wird es dir vielleicht schwerfallen, Dinge zu finden, für die du dankbar bist. Dann versuche, eine Nummer kleiner zu denken. Uns allen passieren jeden Tag viele Dinge, für die wir dankbar sein könnten und wir alle haben einige Dinge in unseren Leben und an uns selbst, für die wir dankbar sein könnten. Nun gilt es nur, diese Dinge zu finden und das Bewusstsein für diese Dinge zu schärfen.

Als ich vor Jahren mit meinem Dankbarkeits-Tagebuch angefangen habe, war das am Anfang sehr ungewohnt. Vorher habe ich mich selten gefragt, für was ich eigentlich dankbar bin. Beim Revue passieren lassen meines Tages dauerte es manchmal ganz schön lange bis ich Dinge entdeckte, für die ich Dankbarkeit empfand. Doch mit der Zeit wurde es immer einfacher, dankbar zu sein und irgendwann war diese Gewohnheit so verinnerlicht, dass ich schon in der Situation selbst merkte: „Ja, das ist jetzt so ein Dankbarkeits-Moment!“

Durch Rituale der Dankbarkeit hat mein Leben unendlich an Reichtum gewonnen und das wünsche ich mir auch für dich.

Deshalb lade ich dich dazu ein, dich regelmäßig zu fragen, für was du eigentlich dankbar bist. An dir selbst, an deinem Leben, der Welt und an dem Tag, der gerade hinter dir liegt.

Entdecke die Kraft der Dankbarkeit und staune, wie schön dein Leben dadurch wird.

Der Kreislauf von Leben und Sterben

Der Kreislauf von Leben und Sterben

Viele Menschen mögen es nicht, an den Tod zu denken. Wenn das Thema des Sterbens aufkommt, schnürt sich bei ihnen innerlich schon alles zusammen.

Diese Angst vor dem Tod ist aus einer weiter Perspektive heraus völlig unlogisch und hindert uns daran, voll zu leben.

In diesem Artikel geht es darum, dass Leben und Sterben untrennbar miteinander verbunden sind.

Leben und Sterben sind nicht zwei Gegensätze, so wie wir es oft empfinden. Die Gesellschaft vermittelt uns dieses Bild und wir glauben es.

Die meisten Menschen haben keine Werkzeuge dafür, gut mit dem Tod umzugehen. Sie schaffen es nicht, den Tod in ihr Leben zu integrieren.

 

Leben und Sterben gehören zusammen

Dabei sind Leben und Sterben keine Gegensätze.

Vielmehr sind sie zwei Seiten von derselben Sache.

Das Leben und der Tod bedingen sich gegenseitig. Es gäbe kein Leben ohne den Tod und es gäbe keinen Tod ohne das Leben. Und im Leben selbst ist der Tod gegenwärtig.

Die Blätter der Bäume müssen im Herbst gehen, damit im Frühling neue kommen können. Das ist der Leben-Tod-Leben-Kreislauf. Und der Baum hat ja auch keine Angst davor, seine Blätter herzugeben. Er ist voller Vertrauen, dass ihm im nächsten Frühjahr neue Blätter wachsen werden. Er akzeptiert, dass Leben und Sterben untrennbar miteinander verbunden sind. Und dass nach jedem Sterben wieder neues Leben kommt.

Nur wenn wir gut mit der Tatsache umgehen können, dass wir irgendwann sterben werden, können wir auch gut am Leben sein. Sonst leben wir immer in Angst vor dem Tod.

Und den Tod zu vermeiden, führt auch zu einer Vermeidung des Lebens.

Einen Aspekt ausgrenzen zu wollen, funktioniert nicht. Nur wenn wir das Leben als Ganzes annehmen, können wir es auch in seiner Totalität erfahren. Und das beinhaltet auch den Aspekt vom Leben-Tod-Leben-Kreislauf.

 

Konsequenzen der Sterblichkeit der Dinge

Wir alle sind sterblich. Alles, was du siehst, fühlst, riechst, schmeckst und alles, was du anfassen kannst, ist irgendwann nicht mehr da. Alles kommt und geht. Vielleicht klingt das erst einmal hart, aber wenn du diese Tatsache akzeptieren kannst, dann hat das ein unglaubliches Befreiungspotential.

Was passiert, wenn wir die Leben-Tod-Leben-Natur von allem akzeptieren?

Zum Einen hat die Vergänglichkeit der Dinge Auswirkungen auf unsere Anhaftung. Wenn wir wirklich akzeptieren, dass alles einmal wieder vergehen wird, gibt es auch keinen Grund mehr dafür, zu klammern. Denn genau das ist Anhaftung: Wir klammern uns an etwas fest, weil wir Angst davor haben, dass es uns wieder verlässt. Aber wenn wir wirklich akzeptieren, dass alles was lebt auch wieder stirbt, dann gibt es keinen Grund mehr für Anhaftung. Sie wird einfach nicht mehr haltbar und wir können dieses Muster loslassen.

Zum Anderen heißt das Loslassen von Anhaftung eben nicht, dass ich weniger fühle. Genau das Gegenteil ist der Fall.

Deine Angst vorm Verlassen werden mahnt dich immer zur Vorsicht. Sie flüstert dir zu: „Liebe ja nicht zu intensiv, sie könnte dich wieder verlassen und dann wirst du verletzt und verwundet zurückgelassen. Wenn du dich emotional nicht so sehr einlässt, dann tut es am Ende auch nicht so weh.“

???

Ähhhh…

Kennst du diese Stimme der Angst vorm Tod auch?

Die Logik dieser Stimme geht nicht auf.

Alles kommt und alles geht. Das ist kein Grund, im Hier und Jetzt nicht voll ins Gefühl zu gehen.

Ganz im Gegenteil: Wenn du akzeptierst, dass sowieso alles endet, dann kannst du dich auch voll darauf einlassen.

 

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Du musst nichts mehr vermeiden, wenn du den Leben-Tod-Leben-Kreislauf akzeptierst.

Das heißt, eine Beziehung (egal welche) kann nur funktionieren, wenn alle beteiligten Personen diesen Fakt akzeptieren.

Und wenn alle beteiligten Personen diesen Fakt akzeptieren, dann kann die Beziehung unglaublich intensiv und schön werden.

Wenn du in vollem Bewusstsein des Todes lebst, dann kann jeder Augenblick wundervoll und total sein. Wenn du das Sterben als Teil des Lebens annimmst, dann wird dein Leben dadurch an Tiefe und Fülle gewinnen. Es wird ganz.

Alles kann sterben und genau deshalb sollte man den Moment voll leben. Dass alles stirbt, ist der Grund dafür, nicht anzuhaften. Aber es ist auch der Grund dafür, voll zu leben und voll mit meinen Gefühlen in den Moment reinzugehen. Eben nicht mit bedürftiger „Bitte verlass mich nicht, bitte sei nie vorbei“-Anhaftung, sondern in vollem Bewusstsein des Todes präsent sein.

Mit mir, meinen Gefühlen und der anderen Person. Den Tod zu akzeptieren ist die Voraussetzung dafür, voll zu leben.

Tatsächlich gibt es meistens innerhalb einer Sache viele Tode und viele Widergeburten. Wenn eine Sache sehr lange andauert, dann verändert sie sich zwangsläufig innerhalb dieser Zeit. Sie lebt in einer Qualität, irgendwann stirbt sie und wird mit einer völlig neuen Qualität widergeboren. Das ist der Leben-Tod-Leben-Kreislauf. Es gibt keinen Grund, Angst vor dem Tod zu haben. Er kommt sowieso. Und nach ihm folgt immer ein neues Leben.

Schattenseiten integrieren: 3 wirkungsvolle Tipps

Schattenseiten integrieren: 3 wirkungsvolle Tipps

Wir alle haben unseren Schatten. Die Wenigsten von uns von uns tragen ihn gut sichtbar mit sich herum. Die Allermeisten bemühen sich sehr, ihn zu verstecken.

Wenn du auch eher zu der Sorte Mensch gehörst, dem es schwerfällt, seine Schattenseiten zu integrieren, dann bist du in diesem Artikel genau richtig.

Wir alle haben durch unsere Sozialisation beigebracht bekommen, Unangenehmes wegmachen zu wolllen. Dinge, die wir an uns selbst negativ finden, wollten wir nicht haben. Wir haben versucht, sie ganz tief nach unten zu drücken, wo niemand anders und auch wir selbst sie nicht sehen können.

Dass diese Abspaltung unserer Schattenseiten weitreichende Konsequenzen hat, haben wir erst viel später bemerkt.

 

Die Folgen der Abspaltung der Schattenseiten

Was passiert nun, wenn wir unsere Schattenseiten nicht haben wollen? Wenn du zu einem Teil von dir selbst NEIN sagst, dann sagst du innerlich zu deinem ganzen Selbst nein.

Es geht nicht, nur einen Teil von sich selbst anzunehmen. Wenn du das versuchst, wirst du daran scheitern.

Unbewusst baust du innerlich ein NEIN zu dir selbst auf und stärkst den inneren Kritiker mit deiner Ablehnung dir selbst gegenüber. Du unterscheidest in gut und schlecht und verpflichtest dich einem Ziel, das du niemals erreichen kannst. Kein Mensch hat nur positive und angenehme Seiten. Jeder Mensch hat auch Seiten, die er nicht an sich mag und die vielleicht auch für andere Menschen schwierig sein können.

Das ist völlig normal. Das ist ok so.

Niemand von uns ist immer nur Licht und Liebe. Es geht uns allen mal schlecht und wir haben alle Dinge, mit denen wir nicht so gut umgehen können.

Wahre Akzeptanz kann nicht ein- und ausschließen. Sie schließt alles mit ein. Wenn du also nur deine „guten“ Seiten haben möchtest, dann schwächst du damit dein JA zu dir selbst.

Das an sich zu lieben, was man mag, ist relativ leicht. Aber dich auch für all das zu lieben, was du blöd an dir findest, das ist der Moment, in dem Heilung geschieht.

 

Tipps zur Integration deiner Schattenseiten

Wie kommt man nun dahin, sich selbst völlig anzunehmen, mit allem, was da ist? Es gibt sicherlich viele Wege, um Schattenseiten zu integrieren.

Ein paar Tipps für den Einstieg bekommst du hier:

 

1. Tipp: Sieh deinem Schatten ins Gesicht

Zunächst einmal lade ich dich dazu ein, dem Kind einen Namen zu geben. Mach dir ganz genau klar, wo du deine Schattenseiten siehst.

Was ist für dich dein Schatten?

Nur, wenn du das einmal ganz klar benannt hast, kannst du diese Schattenseiten auch integrieren.

Wir müssen uns der Dinge erst einmal bewusst werden, damit wir unseren Umgang mit ihnen auch verändern können.

Ob du das schriftlich oder im Kopf machst, ist Typsache. Die schriftliche Variante bringt allerdings potentiell mehr Klarheit und du kannst deine Überlegungen noch einmal nachlesen, solltest du weiter damit arbeiten wollen.

 Licht und Schatten

 

2. Tipp: Wohlwollendes Selbstgespräch

Sind dir nun deine Schattenseiten bewusst, kannst du damit anfangen, deinen Umgang mit ihnen zu verändern. Und wie du mit ihnen umgehst, fängt erst einmal in dir selbst an.

Wie redest du mit dir? Wenn du gerade mit einer deiner Schattenseiten in Kontakt kommst, findet ein inneres Selbstgespräch statt.

Wenn du im Zustand der Ablehnung diesen Seiten gegnüber bist, dann wird dieses Selbstgespräch wahrscheinlich relativ ungnädig sein. In dem Moment, in dem deine Schattenseite sich zeigt, wirst du wahrscheinlich in Widerstand gehen. Du wirst sauer darüber, dass sie gerade da ist. Du hättest es gerne anders. Du verurteilst dich dafür, dass du so bist, wie du bist.

Im Prozess des Schattenseiten integrierens ist es nun sehr wichtig, dieses destruktive Selbstgespräch in ein aufbauendes und konstruktives Selbstgespräch zu verwandeln.

Wie das geht?

Du wirst dir in dem Moment deines inneres Selbstgespräches bewusst und lenkst es bewusst.

Damit das gelingt, kannst du das Selbstgespräch durch Fragen aufbrechen. Wenn du zum Beispiel bemerkst, dass es da eine Instanz gibt, die deine Schattenseite kritisiert, dann kannst du ihre Meinung einfach hinterfragen. Du fragst: „Ist das jetzt gerade wirklich so schlimm an mir?“ Oder: „Macht es irgendeinen Sinn, diese Eigenschaft von mir abzulehnen? Ändert sie sich dadurch?“

Was passiert durch das Hinterfragen ist Folgendes: Fragen brechen eingeübte Denkstrukturen auf.

Das heißt, Fragen haben ein besonderes Potential, gedankliche Muster zu verändern. So kannst du dein negatives Selbstgespräch immer mehr in ein positives Selbsgespräch verwandeln.

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3. Tipp: Vor anderen zu deinen Schattenseiten stehen

Weißt du nun, wo deine Schattenseiten liegen und lernst immer mehr, sie innerlich anzunehmen, bleibt noch der Umgang mit der äußeren Welt. Wenn du deine Schattenseiten integrieren willst, dann geht kein Weg daran vorbei, auch vor anderen Menschen frei zu ihnen zu stehen.

Es kann am Anfang große Hemmungen geben, wenn du dich vor anderen mit deinen vermeintlichen Schwächen zeigst. Zu sagen: „Hey, hier bin ich und ich fühle mich gerade schwach.“ Oder zu sagen: „Hey, hier bin ich und dieses und jenes Gefühl macht mir gerade zu schaffen.“

Was auch immer dein Schatten ist, mit ihm zu sein wärend du in Verbindung mit anderen bist, kann der schwerste Schritt sein.

Aber es ist auch der befreiendste Schritt.

Denn, wenn du nichts mehr zu verstecken versuchst, kann dein Körper aufatmen. Dein Inneres kann aufatmen. Du kannst dich dann in dich selbst hinein und in die Beziehung hinein entspannen. Du verschwendest keine Energie mehr damit, irgendeine Fassade aufrechtzuerhalten. Geliebt werden willst du doch sowieso nur für dich selbst oder? Welchen Sinn macht es, für etwas gemocht zu werden, was gar nicht du bist oder nur für Teile von dir selbst?

Plus: In dem meisten Fällen sind all die Befürchtungen, dass du zu viel für die andere Person bist oder sie dich ablehnt, wenn du ihr deine Schattenseiten zeigst, völliger Schwachsinn. Meistens findet die andere Person es einfach nur sympathisch, dass du auch Probleme hast. Vielleicht hat sie mit genau der gleichen Sache zu kämpfen und kann sich super mit dir identifizieren, wenn du ihr davon erzählst. Vielleicht geht es ihr ganz anders und genau deshalb kann sie dich super dabei unterstützen und ganz entspannt damit umgehen.

Wie auch immer die Geschichte ausgeht, es ist immer besser, sich authentisch gezeigt zu haben – dann musst du auch nichs bereuen.

Mit etwas Übung und Energie, die du reinsteckst, wirst du deine Schattenseiten integrieren können. Jeden Tag ein bisschen mehr.

Wie die Angst vor Nähe deine Beziehungen sabotiert

Wie die Angst vor Nähe deine Beziehungen sabotiert

Wir haben fast alle Angst davor, jemanden zu nahe an uns heranzulassen.

Und wir alle haben unsere Strategien, um zu verhindern, dass jemand uns zu nahe kommt und damit unseren Panzer durchbricht. Wegen den Erfahrungen, die wir gemacht haben oder der Dinge, die uns gesagt wurden, haben wir Angst vor Nähe. Wir glauben aus irgendeinem Grund, dass diese Nähe nicht sicher ist für uns. Dass wir uns angreifbar machen, wenn wir sie zulassen.

Im Wesentlichen bedienen wir uns wegen unserer Angst vor Nähe zwei Strategien:

 

1. Strategie: In eine kühle unnahbare Person verlieben

Bei dieser Strategie projizierst du deine Liebe auf jemanden, der dir gegenüber distanziert und reserviert ist. Du spürst unbewusst, dass du ihn oder sie eigentlich emotional gar nicht erreichen kannst. Trotzdem tust du dein Bestes, um ihn oder sie von dir zu überzeugen. Auch wenn jemand anders in deinem Leben ist, der dir viel mehr Beachtung und Liebe schenkt: Zu dem kühleren Menschen fühlst du dich irgendwie mehr hingezogen.

Warum suchst du dir jetzt ausgerechnet so eine Person zum Verlieben aus?

Zum Einen könnte es sein, dass du dir selbst unbewusst beweisen willst, dass du nicht liebenswert bist. Du hast den Glaubenssatz, dass andere Menschen dich nicht lieben können und deshalb suchst du dir jemanden aus, der dir genau das bestätigt. Wir haben alle unsere inneren Überzeugungen, die wir uns selbst ständig im Außen bestätigen wollen. Beobachtungen, die nicht zu unseren Überzeugungen passen, werden ganz schnell unter den Tisch fallen gelassen.

Zum Anderen ist das Aussuchen einer unnahbaren Person auch eine ziemlich bequeme Escape-Strategie. Durch die emotionale Unzugänglichkeit der anderen Person läufst du natürlich auch nicht Gefahr, dass sie dir zu nahe kommt. Gleichzeitig kannst du in diesem Szenario bequem die Verantwortung von dir weisen.

Du wolltest ja Nähe. Du wolltest ja die andere Person an dich heranlassen. Aber sie war diejenige, die dich abgeblockt hat. Also bist du fein raus und kannst dann auch nichts mehr machen.

Wem du die Schuld gibst, dem gibst du die Macht.

Das Problem hierbei ist, dass eine riesengroße Projektion stattfindet. Du projizierst dein Problem auf die andere Person und bist damit auf einer Ebene, auf der du das Problem nicht mehr lösen kannst.

Das Problem, dass du dich selbst als nicht liebenswert empfindest und Angst vor Nähe hast, ist dein Problem und hat nichts mit der anderen Person zu tun.

Um es wirklich zu lösen, musst du es dahin zurücknehmen, wo es seinen Ursprung hat: Zu dir selbst.

Nur an seinem Ursprung kann ein Thema gelöst werden. Die andere Person dazu zu kriegen, dass sie dich doch heiß und innig liebt, würde dein Problem nicht lösen. Ohne innere Arbeit würdest du wahrscheinlich in diesem Moment aufhören, sie zu lieben. Weil die Liebe der anderen Person dann nicht mehr zu deinem inneren Programm passen würde und sie dann uninteressant für dich würde. Auch wenn du natürlich die ganze Zeit davon überzeugt bist, dass du dir genau das mehr als alles andere wünscht und alles dafür tust, endlich von diesem Menschen voll und ganz geliebt zu werden.

Wenn du dich in dieser 1. Strategie zur Vermeidung von Nähe wiedererkennst, lade ich dich dazu ein, dir selbst bewusst zu werden. Wenn du dich das nächste Mal zu einer unnahbaren Person hingezogen fühlst, dann beobachte dich selbst in diesem Muster und nimm es zu dir selbst zurück. Gehe einfach nicht darauf ein. Ein ins Außen verlagerter Kampf kann nicht gewonnen werden. Nie.

 

2. Strategie: Selbst die kühle unnahbare Person sein

Bei der ersten Strategie bist du immer in der „Pull“-Position. Du bist diejenige Person, die immer mehr vom anderen will und versucht, ihn oder sie an dich heranzuziehen.

Bei der zweiten Strategie bist du genau in der anderen Position. Du bist dann in der „Push“-Position.

Soll heißen: Die andere Person will immer ein bisschen mehr von dir als du von ihr. Die andere Person liebt und braucht dich immer ein bisschen mehr als du sie. Du spürst, dass du ihr gegenüber kälter bist als sie dir gegenüber. Du gehst immer ein bisschen auf Abstand.

Die andere Person erreicht dein Herz nicht völlig. Du sagst nicht innerlich zu 100% „JA“ zu diesem Menschen.

Auch diese Strategie erwächst deiner Angst vor Nähe. Unbewusst suchst du dir die bedürftige und dir unterlegene Person deshalb aus, weil du weißt, dass sie dir nicht gefährlich wird. Du spürst, dass du nicht für sie brennst und dass sie dich deshalb auch nicht verbrennen kann. Sie ist eine sichere Wahl, weil sie dir gar nicht zu nahe kommen kann. Und natürlich passiert das alles unbewusst und ist keineswegs böse Absicht von dir.

 

Typen von Beziehungssaboteuren

Die meisten Menschen neigen in ihren Beziehungen eher zu einer der beiden Strategien. Manche wechseln aber auch und wählen mal die eine und mal die andere Strategie. Auch in Freundschaften wirken diese Push-and-Pull-Mechanismen.

Vielleicht wählst du in Beziehungen eher die Strategie, dass du dich zu unnahbaren Menschen hingezogen fühlst und umgibst dich in deinen Freundschaften eher mit Menschen, für die du die unnahbare Person bist. Alle Variationen sind möglich. Sie richten sich auch danach, wie du die Beziehung zu deinen Eltern empfunden hast.

Bei mir ist es zum Beispiel so, dass meine Eltern beide in meiner Kindheit relativ emotional unzugänglich waren. Meine Mutter war aber deutlich kälter und zu ihr hatte ich gar keinen Zugang. Da ich relativ heterosexuell (blöde Klassifizierung) bin, lebe ich das Mutter-Muster eher in meinen Freundschaften aus. Hier habe ich mich schon öfter zu sehr kühlen Frauen hingezogen gefühlt und mich damit sehr unglücklich gemacht.

Bis zu dem Punkt, wo wir unsere Eltern-Themen auflösen, wiederholen wir diese Beziehungen oft in Endlosschleife und wundern uns dabei immer wieder über uns selbst. Rational erklären können wir uns diese Anziehung zu den scheinbar immer ähnlichen Menschen, mit denen es doch so offensichtlich nicht funktioniert nicht, aber aussteigen können wir daraus auch nicht.

Oder?

 

Lösungswege

Solange wir uns nicht unserer Angst vor Nähe stellen, geht das immer so weiter. Aus diesen Mustern auszusteigen ist die einzig sinnvolle Möglichkeit.

Sein eigenes Herz zu öffnen und ins Vertrauen zu gehen, das ist der Weg dahin.

Dabei können dir folgende Mindsets helfen:

Es gibt keine sichere Beziehung! Du kannst dir nie sicher sein, dass du nicht verletzt wirst. Du kannst dir nie sicher sein, dass du nicht verlassen wirst. Und nur um das Verlassen und verletzt werden zu vermeiden, einen „sicheren“ Partner zu wählen, den du aber gar nicht wirklich liebst – das bringt es auf Dauer auch nicht! Glaube mir, ich spreche aus Erfahrung.

Viel besser ist es, dich im vollem Bewusstsein der Unbeständigkeit der Liebe auf sie einzulassen.

Sicher sein kannst du dir nur deiner eigenen Liebe. Und solange du diese Liebe nicht verlierst, kann dir auch nichts passieren.

Klar ist es immer schmerzhaft, wenn eine wichtige Beziehung kaputt geht. Aber dieser Verlust ist nie lebensbedrohlich. Die einzige Liebe, die du wirklich zum Leben brauchst, ist deine eigene Liebe. Diese Selbstliebe entwickeln, das ist das Fundament für deine Fähigkeit, jemand anders zu lieben und die Liebe einer anderen Person annehmen zu können.

Wenn du dir selbst vertraust, dann kannst du auch anderen vertrauen. Wenn du dir selbst nahe bist, dann kannst du auch anderen nahe sein.

 

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