Innerer Kritiker: Wie du ihm seine Macht entziehst

Kritisierst du dich oft? Öfter als dir lieb ist?

Willst du endlich lernen, mit dieser negativen Selbstkritik aufzuhören und den inneren Kritiker entmachten?

Dann bist du hier genau richtig.

Wahrscheinlich kennst du das Konzept vom inneren Team oder auch von inneren Anteilen. Hierbei gibt es verschiedene Teammitglieder, die für verschiedene Menschen natürlich auch verschieden wichtig sind.

Es gibt allerdings Anteile, die für sehr viele Menschen ein wichtiges Thema sind. So zum Beispiel das innere Kind.

Auch der innere Kritiker ist für viele Menschen ein Thema oder wird irgendwann zum Thema. Nämlich dann, wenn unser Bewusstsein immer größer wird und wir irgendwann feststellen: „Wow, ich mache mich selbst immer ziemlich hart fertig.“

Wenn du an dem Punkt bist oder schon an dem Punkt warst, wo du das festgestellt hast, dann bist du schon ziemlich weit. Denn hart zu sich selbst zu sein ist ein so beliebter Volkssport, dass viele Menschen gar nicht auf die Idee kommen, dass das vielleicht gar nicht so gut ist. Jeder macht es ja schließlich so.

Hat dich schon mal jemand für deine Arbeit gelobt und du hast darauf erwidert: „Naja, also so toll ist das ja gar nicht. Eigentlich hätte man das und das besser machen können und jeder andere hätte das echt genauso gut hingekriegt.“?

Auch wenn ich mich aus feministischen Gründen und wegen der Selbstliebe gar nicht mehr so verhalten will, ertappe ich mich manchmal immer noch dabei, wie ich zu einer solchen Antwort ansetze. Einfach weil dieses Verhalten gesellschaftskonform ist und ich mich sonst damit auseinandersetzen muss, dass die andere Person mich vielleicht arrogant oder selbstzufrieden findet.

Es ist einfach ein Prozess und immer, wenn ich mich dabei ertappe, in dieses Selbstkritik-Muster zu gehen, komme ich zurück zur Liebe und sage: „Danke. Ich bin auch ziemlich stolz auf meine Arbeit. Ich bin zufrieden damit.“

Probier es mal aus, wenn dich das nächste Mal jemand lobt. Du wirst wahrscheinlich die lustigsten Gefühle durchmachen.

Härter als das Arbeiten am Außen, ist jedoch die Arbeit im Inneren. Denn es heißt ja auch „innerer Kritiker“. Das heißt, hauptsächlich treibt er in unserem Innenleben sein Unwesen.

 

Innerer Kritiker: Wie erkennt man ihn?

Wenn du dem Selbstgespräch, das im Wachzustand die ganze Zeit unaufhörlich in dir abläuft, aufmerksam zuhörst, lernst du mit der Zeit, verschiedene Instanzen zu identifizieren.

Den inneren Kritiker erkennt man an verschiedenen Dingen: Ihm ist es nie gut genug, was du tust.

Wenn du etwas Tolles geleistet hast und für einen Moment zufrieden bist und dann kommt eine Stimme, die sagt: „Naja, aber das hätte man ja schon noch etwas ordentlicher machen können.“ -> innerer Kritiker spricht gerade

Wenn du einen Vortrag gehalten hast und danach hörst du eine Stimme, die sagt: „An der Stelle hast du dich verhaspelt, dort hast du einen Punkt ausgelassen und überhaupt hast du etwas unsicher auf die Zuhörer gewirkt. Das machst du nächstes Mal besser.“ -> innerer Kritiker spricht gerade

Wenn du gerade ganz entspannt auf der Couch sitzt, deine Lieblingsserie schaust und plötzlich sagt jemand: „Du verschwendest gerade sinnlos deine Zeit. Du müsstest noch dies und das machen. Du solltest dich schämen, so faul rumzuhängen. -> innerer Kritiker spricht gerade

Wenn du ein paar Tage lang keine Zeit oder keine Ruhe zum Meditieren / Yoga / Sport / … gefunden hast und als dir das bewusst wird, sagt eine Stimme zu dir: „Wow, du kümmerst dich ja toll um dich. Willst gesund und glücklich sein, aber tust nichts dafür. Du musst das jeden Tag machen. Alles andere ist Faulheit. Natürlich hättest du dir die Zeit dafür nehmen können.“ -> innerer Kritiker spricht gerade

 

Innerer Kritiker: Welche Funktion hat er?

Der innere Kritiker hat ursprünglich eine positive Funktion. Wie eigentlich alle Instanzen, Verhaltensweisen, Gefühle , und so weiter – Sie wollen uns alle auf ihre Art mit irgendetwas weiterhelfen und uns bereichern.

Probleme entstehen da, wo Dinge aus der Balance geraten.

Ursprünglich ist der innere Kritiker dazu da, konstruktive Kritik auszuüben. Das heißt, es ist seine Aufgabe, dich durch Verbesserungsvorschläge und Antreiben weiterzubringen.

Denn stelle dir einmal vor, es gäbe den inneren Kritiker gar nicht.

Würdest du dann weiterkommen? Würdest du dann deine Ziele erreichen? Würdest du dann deine Dunkelheit und die ganzen Narben deiner Kindheit transformieren und heilen? Nein!

Denn dazu brauchen wir den inneren Kritiker.

Er sagt uns: „Es ist noch nicht gut so, wie es ist. Wenn du weiter an diesem und jenem arbeitest, dann kannst du in einen glücklicheren / besseren Zustand kommen.“

Niemand wird geboren und ist schon direkt da, wo er einmal hinwill im Leben. Und oft liegen die Sachen, die wir uns wünschen für unser Leben, nun einmal außerhalb unserer Komfortzone. Und dann sollten wir den Arsch hochkriegen und uns holen, was wir wollen. Das kostet oft Anstrengung und Geduld. Oft müssen wir dafür an uns arbeiten und Dinge lernen, verändern und Verhaltensweisen ablegen. Bei all diesen Dingen hilft uns die Instanz innerer Kritiker.

Richtig eingesetzt kann er also ein Diener der inneren Transformation sein.

 

Innerer Kritiker: Seine Schattenseiten

Falsch eingesetzt kann der innere Kritiker allerdings sehr viel Schaden anrichten. Er kann dem Selbstwertgefühl schaden, der Selbstakzeptanz, der Heilung und vor allem kann er zum Gegenspieler der Selbstliebe werden.

Denn was passiert, wenn wir uns selbst unnötig hart und unnötig oft kritisieren? Wir senden uns die ganze Zeit das Signal: „Du bist nicht gut, so wie du bist. Du musst an dir arbeiten. Du musst erst etwas leisten oder etwas werden, um liebenswert zu sein.“

Das ist natürlich total schädlich, wenn wir auf dem Weg der Selbstliebe sind.

Wenn der innere Kritiker außer Kontrolle gerät, kehrt sich seine Funktion ins Negative um.

Wenn er die ganze Zeit in unserem Inneren auf Autopilot läuft und uns alle Liebe und Freude abgräbt – Dann wird er zum echten Problem und es wird Zeit, zu handeln.

 

Innerer Kritiker: Tipps zum Umgang mit ihm

Wenn du dich in der Beschreibung der Schattenseiten des inneren Kritikers wiederfindest, dann kann ich mir vorstellen, dass du etwas unzufrieden darüber bist, dass der innere Kritiker so viel Macht über dich hat.

Der innere Kritiker hat seinen Wert, aber er sollte nicht die Kontrolle über dich übernehmen. Hier gilt es, das Bewusstsein zu trainieren.

Ich habe mir zum Beispiel ein Zeitlang jeden Tag eine Erinnerung in meinem Handy eingerichtet, die mich zu einer bestimmten Uhrzeit gefragt hat: „Kritisierst du dich gerade selbst?“

Durch diese Erinnerung bin ich mir regelmäßig darüber bewusst geworden, was gerade in meinem Kopf abgeht. Welche Instanz gerade spricht und wie ich gerade mit mir selbst umgehe.

Solche Krücken sind wahnsinnig hilfreich, um zu lernen, konditionierte Gedankenmuster zu unterbrechen und zu durchschauen.

Wenn du dir also darüber bewusst wird, dass gerade der innere Kritiker die Macht übernommen hat, hol sie dir einfach zurück.

Dafür musst du nur ins Zwiegespräch mit dir selbst gehen. Du installierst eine andere Instanz, einen inneren Akzeptierer, der mit dem inneren Kritiker diskutiert. Wenn der innere Kritiker behauptet, du hättest noch nicht genug gemacht oder hättest es nicht gut genug gemacht, dann kann der innere Akzeptierer dagegen halten. Er kann dann entgegnen: „Naja, aber eigentlich hast du doch schon relativ viel gemacht. Andere Menschen machen auch nicht mehr als du. Es ist völlig in Ordnung, wenn du jetzt aufhörst und du kannst mit deinem Werk zufrieden sein.“

Es kann auch helfen, dir vorzustellen, du würdest gerade über eine gute Freundin oder einen guten Freund urteilen und nicht über dich. Wärst du dann genauso hart? Oder würdest du nicht viel eher die andere Person wohlwollend betrachten und das wertschätzen, was er oder sie geleistet hat?

 

Nochmal die wichtigsten Aussagen dieses Artikels zusammengefasst: Der innere Kritiker ist Teil der inneren Teams. Er hat eine wichtige und positive Funktion. Wenn er außer Kontrolle gerät und auf Autopilot läuft, kann er allerdings mehr Schaden als Nutzen anrichten. Deshalb gilt auch hier, dass das richtige Maß entscheidend ist. Ein bisschen konstruktive Selbstkritik hilft uns, unsere Ziele zu erreichen. Jedoch hört es auf, wenn es in negative Selbstkritik ausartet. Hier hilft es, sich bewusst zu werden und eine wertschätzende und akzeptierende Instanz zu entwickeln, die dem Kritiker Einhalt gebietet.

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