Schattenseiten integrieren: 3 wirkungsvolle Tipps

Wir alle haben unseren Schatten. Die Wenigsten von uns von uns tragen ihn gut sichtbar mit sich herum. Die Allermeisten bemühen sich sehr, ihn zu verstecken.

Wenn du auch eher zu der Sorte Mensch gehörst, dem es schwerfällt, seine Schattenseiten zu integrieren, dann bist du in diesem Artikel genau richtig.

Wir alle haben durch unsere Sozialisation beigebracht bekommen, Unangenehmes wegmachen zu wolllen. Dinge, die wir an uns selbst negativ finden, wollten wir nicht haben. Wir haben versucht, sie ganz tief nach unten zu drücken, wo niemand anders und auch wir selbst sie nicht sehen können.

Dass diese Abspaltung unserer Schattenseiten weitreichende Konsequenzen hat, haben wir erst viel später bemerkt.

 

Die Folgen der Abspaltung der Schattenseiten

Was passiert nun, wenn wir unsere Schattenseiten nicht haben wollen? Wenn du zu einem Teil von dir selbst NEIN sagst, dann sagst du innerlich zu deinem ganzen Selbst nein.

Es geht nicht, nur einen Teil von sich selbst anzunehmen. Wenn du das versuchst, wirst du daran scheitern.

Unbewusst baust du innerlich ein NEIN zu dir selbst auf und stärkst den inneren Kritiker mit deiner Ablehnung dir selbst gegenüber. Du unterscheidest in gut und schlecht und verpflichtest dich einem Ziel, das du niemals erreichen kannst. Kein Mensch hat nur positive und angenehme Seiten. Jeder Mensch hat auch Seiten, die er nicht an sich mag und die vielleicht auch für andere Menschen schwierig sein können.

Das ist völlig normal. Das ist ok so.

Niemand von uns ist immer nur Licht und Liebe. Es geht uns allen mal schlecht und wir haben alle Dinge, mit denen wir nicht so gut umgehen können.

Wahre Akzeptanz kann nicht ein- und ausschließen. Sie schließt alles mit ein. Wenn du also nur deine „guten“ Seiten haben möchtest, dann schwächst du damit dein JA zu dir selbst.

Das an sich zu lieben, was man mag, ist relativ leicht. Aber dich auch für all das zu lieben, was du blöd an dir findest, das ist der Moment, in dem Heilung geschieht.

 

Tipps zur Integration deiner Schattenseiten

Wie kommt man nun dahin, sich selbst völlig anzunehmen, mit allem, was da ist? Es gibt sicherlich viele Wege, um Schattenseiten zu integrieren.

Ein paar Tipps für den Einstieg bekommst du hier:

 

1. Tipp: Sieh deinem Schatten ins Gesicht

Zunächst einmal lade ich dich dazu ein, dem Kind einen Namen zu geben. Mach dir ganz genau klar, wo du deine Schattenseiten siehst.

Was ist für dich dein Schatten?

Nur, wenn du das einmal ganz klar benannt hast, kannst du diese Schattenseiten auch integrieren.

Wir müssen uns der Dinge erst einmal bewusst werden, damit wir unseren Umgang mit ihnen auch verändern können.

Ob du das schriftlich oder im Kopf machst, ist Typsache. Die schriftliche Variante bringt allerdings potentiell mehr Klarheit und du kannst deine Überlegungen noch einmal nachlesen, solltest du weiter damit arbeiten wollen.

 Licht und Schatten

 

2. Tipp: Wohlwollendes Selbstgespräch

Sind dir nun deine Schattenseiten bewusst, kannst du damit anfangen, deinen Umgang mit ihnen zu verändern. Und wie du mit ihnen umgehst, fängt erst einmal in dir selbst an.

Wie redest du mit dir? Wenn du gerade mit einer deiner Schattenseiten in Kontakt kommst, findet ein inneres Selbstgespräch statt.

Wenn du im Zustand der Ablehnung diesen Seiten gegnüber bist, dann wird dieses Selbstgespräch wahrscheinlich relativ ungnädig sein. In dem Moment, in dem deine Schattenseite sich zeigt, wirst du wahrscheinlich in Widerstand gehen. Du wirst sauer darüber, dass sie gerade da ist. Du hättest es gerne anders. Du verurteilst dich dafür, dass du so bist, wie du bist.

Im Prozess des Schattenseiten integrierens ist es nun sehr wichtig, dieses destruktive Selbstgespräch in ein aufbauendes und konstruktives Selbstgespräch zu verwandeln.

Wie das geht?

Du wirst dir in dem Moment deines inneres Selbstgespräches bewusst und lenkst es bewusst.

Damit das gelingt, kannst du das Selbstgespräch durch Fragen aufbrechen. Wenn du zum Beispiel bemerkst, dass es da eine Instanz gibt, die deine Schattenseite kritisiert, dann kannst du ihre Meinung einfach hinterfragen. Du fragst: „Ist das jetzt gerade wirklich so schlimm an mir?“ Oder: „Macht es irgendeinen Sinn, diese Eigenschaft von mir abzulehnen? Ändert sie sich dadurch?“

Was passiert durch das Hinterfragen ist Folgendes: Fragen brechen eingeübte Denkstrukturen auf.

Das heißt, Fragen haben ein besonderes Potential, gedankliche Muster zu verändern. So kannst du dein negatives Selbstgespräch immer mehr in ein positives Selbsgespräch verwandeln.

 

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3. Tipp: Vor anderen zu deinen Schattenseiten stehen

Weißt du nun, wo deine Schattenseiten liegen und lernst immer mehr, sie innerlich anzunehmen, bleibt noch der Umgang mit der äußeren Welt. Wenn du deine Schattenseiten integrieren willst, dann geht kein Weg daran vorbei, auch vor anderen Menschen frei zu ihnen zu stehen.

Es kann am Anfang große Hemmungen geben, wenn du dich vor anderen mit deinen vermeintlichen Schwächen zeigst. Zu sagen: „Hey, hier bin ich und ich fühle mich gerade schwach.“ Oder zu sagen: „Hey, hier bin ich und dieses und jenes Gefühl macht mir gerade zu schaffen.“

Was auch immer dein Schatten ist, mit ihm zu sein wärend du in Verbindung mit anderen bist, kann der schwerste Schritt sein.

Aber es ist auch der befreiendste Schritt.

Denn, wenn du nichts mehr zu verstecken versuchst, kann dein Körper aufatmen. Dein Inneres kann aufatmen. Du kannst dich dann in dich selbst hinein und in die Beziehung hinein entspannen. Du verschwendest keine Energie mehr damit, irgendeine Fassade aufrechtzuerhalten. Geliebt werden willst du doch sowieso nur für dich selbst oder? Welchen Sinn macht es, für etwas gemocht zu werden, was gar nicht du bist oder nur für Teile von dir selbst?

Plus: In dem meisten Fällen sind all die Befürchtungen, dass du zu viel für die andere Person bist oder sie dich ablehnt, wenn du ihr deine Schattenseiten zeigst, völliger Schwachsinn. Meistens findet die andere Person es einfach nur sympathisch, dass du auch Probleme hast. Vielleicht hat sie mit genau der gleichen Sache zu kämpfen und kann sich super mit dir identifizieren, wenn du ihr davon erzählst. Vielleicht geht es ihr ganz anders und genau deshalb kann sie dich super dabei unterstützen und ganz entspannt damit umgehen.

Wie auch immer die Geschichte ausgeht, es ist immer besser, sich authentisch gezeigt zu haben – dann musst du auch nichs bereuen.

Mit etwas Übung und Energie, die du reinsteckst, wirst du deine Schattenseiten integrieren können. Jeden Tag ein bisschen mehr.

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