Wie Glaubenssätze dir dienen können

Glaubenssätze – was genau ist das eigentlich und wie können wir sie als Instrument für unsere persönliche Entwicklung nutzen? Dieser Frage widme ich mich in diesem Blogartikel.

Erst einmal sind Glaubenssätze ganz neutral Annahmen, die du über die Realität hast. Glaubenssätze sind Sätze, die du über dich, über das Leben und über andere Menschen glaubst.

Dadurch, dass du sie glaubst, bekommen sie Macht.

Ihre Neutralität verlieren Glaubenssätze dadurch, dass sie uns meistens dann auffallen, wenn sie negative Auswirkungen haben. Meistens bemerken wir einen Glaubenssatz dann, wenn wir das Gefühl haben, dass er uns einschränkt.

 

 

Warum sind Glaubenssätze so machtvoll?

Machtvoll sind sie deshalb, weil sie bestimmen, wie du die Realität interpretierst.

Es gibt nicht die EINE Realität.

Wenn du in einem Raum voller Leute bist, erleben alle Menschen gerade etwas völlig Unterschiedliches. Auch wenn sich objektiv gesehen erst einmal nur eine Situation abspielt.

Aber wir alle haben unsere ganzen Filter und Prägungen, die zusammen die Brille formen, durch die wir die Welt sehen.

Einer dieser Filter sind unsere Glaubenssätze.

Wenn ich zum Beispiel den Glaubenssatz habe: „Andere Menschen lehnen mich ab.“, dann bildet dieser Glaubenssatz einen Filter durch den ich die Realität wahrnehme.

Das heißt, zwischen der Realität und mir steht immer meine Wahrnehmung, meine Bewertung.

Und wenn ich glaube, dass andere Menschen mich ablehnen, werde ich unbewusst immer nach Anzeichen Ausschau halten, die mir das bestätigen. Es kann zum Beispiel sein, dass mir an einem Tag drei Leute signalisieren, dass sie mich akzeptieren. Ein Mensch jedoch signalisiert mir am selben Tag, dass er mich ablehnt.

Durch meinen Filter „Andere Menschen lehnen mich ab“, bewerte ich den einen Menschen, der mich ablehnt, viel höher als die drei Menschen, die mich akzeptieren.

Am Ende des Tages erinnere ich mich womöglich nur noch an den einen Menschen, der mich ablehnt. Die drei Menschen, die mich akzeptieren, habe ich entweder schon lange vergessen oder ich habe von Anfang an gar nicht wahrgenommen, dass sie mir Akzeptanz signalisiert haben. Sich selbst akzeptieren scheint nun unmöglich.

 

Realität ———–> Bewertung ———-> Was bei mir ankommt

 

Glaubenssätze bestimmen also, wie du die Realität interpretierst. Das ist der erste Grund für ihre Macht.

Der zweite Grund ist, dass sie dein Verhalten beeinflussen. Sie beeinflussen dein Verhalten, so dass du selbst die Realität produzierst, an die du glaubst.

Wenn du beispielsweise davon überzeugt bist, dass das Leben schwer ist, dann wirst du dir auch das immer wieder beweisen. Es kann zum Beispiel sein, dass du durch diesen Glaubenssatz immer wieder selbst dein Leben in eine schwere Richtung lenkst.

Wenn das Leben mal ganz leicht ist, dann kollidiert es mit deinem Glaubenssatz und du triffst irgendeine Entscheidung, die dein Leben wieder schwer macht. Eine Entscheidung, die den Kampf zurück in dein Leben bringt.

Glaubenssätze bestimmen also nicht nur, wie du die Realität wahrnimmst. Sondern sie führen im Sinne einer self-fulfilling prophecy dazu, dass du selbst deine Realität so beeinflusst, dass du dir deine Glaubenssätze immer wieder bestätigst. Und am Ende kannst du dann sagen:

„Siehst du, das Leben ist schwer. Hab ich doch gesagt.“

„Siehst du, andere mögen mich nicht. Wusste ich doch.“

 

Wie entstehen Glaubenssätze?

Doch wie kommen wir überhaupt erst einmal zu diesen ganzen Glaubenssätzen, die irgendwo tief in uns rumwabern und uns das Leben manchmal ganz schön schwer machen können?

Wie immer sind daran die Eltern schuld. Nein, Spaß beiseite.

Natürlich werden die meisten Glaubenssätze schon relativ früh angelegt und natürlich werden sie oft durch enge Bezugspersonen geprägt. Das kann aber zum Beispiel auch eine Kindergärtnerin sein, die mir zu verstehen gibt, dass es als Mädchen für mich angemessener wäre, mit Puppen zu spielen. Daraus kann ich dann den Glaubenssatz entwickeln:

„Mädchen sind anders als Jungs.“

Oder: „Als Mädchen stellen andere rollenspezifische Erwartungen an mich.“

Glaubenssätze können sich aus Sätzen entwickeln, die ganz konkret jemand oft zu mir gesagt hat. Es kann aber auch sein, dass ich sie aus dem Verhalten von jemandem abgeleitet habe.

Zum Beispiel kam mein Vater früher immer ganz geschafft von der Arbeit nach hause und hat dann den restlichen Tag alles getan, um sich zu entspannen und zu regenerieren. Es war ganz offensichtlich für mich als Kind, dass Arbeit ätzend und anstrengend ist und man seine Freizeit fast ausschließlich dafür benötigt, sich von dieser ätzenden Arbeit einigermaßen wieder zu erholen.

Glaubenssätze, die ich daraus entwickelt habe, sind zum Beispiel:

„Arbeit ist anstrengend.“

Und: „Freizeit ist Erholung von Arbeit.“

Dass diese Glaubenssätze nicht gerade zu einem erfüllten und balancierten Leben führen, dürfte relativ offensichtlich sein.

 

Wie kann ich Glaubenssätze für mich nutzen?

Ich lade dich dazu ein, einmal bei dir Inventur zu machen.

Was glaubst du über dich und das Leben? Was davon empfindest du als hinderlich? Was davon empfindest du als positiv und stärkend?

Mache dir einmal klar, wie es um deine Glaubenssätze bestellt ist und welche besonders wichtig sind.

 

Glaubenssätze

 

Es gibt Glaubenssätze verschiedener Ebenen und verschiedener Bereiche.

So haben wir zum Beispiel solche, die uns selbst betreffen. Wir haben aber auch solche, die unsere Beziehungen betreffen. Und wir haben solche, die andere Menschen betreffen und solche, die das Leben an sich betreffen. Wir haben Glaubenssätze, die unser Arbeitsleben betreffen.

Dann gibt es Glaubenssätze, die sehr tief gehen und welche, die eher oberflächlich sind. Jene, die tief gehen, fassen viele andere von darüber liegenden Ebenen zusammen.

Wenn ich beispielsweise glaube: „Andere Menschen hören mir nicht zu.“, befindet sich vermutlich der Glaubenssatz „Ich bin unwichtig.“ oder: „Ich werde nicht gesehen.“ darunter.

Der Glaubenssatz „Ich bin unwichtig“ kann sich wiederum noch in weiteren Glaubenssätzen einer oberflächlicheren Ebene bemerkbar machen. Ich kann zum Beispiel ebenfalls glauben: „Ich werde oft vergessen.“ oder: „Ich muss mich selbst zurückstellen.“ – all diese Glaubenssätze lassen sich auf den Glaubenssatz, dass ich unwichtig bin, zurückführen.

Es gibt verschiedene Wege, Glaubenssätze zu transformieren. Bei allen geht es darum, negative Glaubenssätze zu hinterfragen und damit zu entkräften.

Eine sehr wirkungsvolle Technik hierfür ist „The Work“ von Katie Byron. „The Work“ ist eine schriftliche Meditation, bei der man sich selbst verschiedene Fragen stellt, in sich hineinspürt und die Antwort verschriftlicht. Das hat oft zum Ergebnis, dass sich der Glaubenssatz etwas oder sogar vollständig löst.

 

Nochmal zusammengefasst: Glaubenssätze sind Annahmen über die Realität. Sie beeinflussen unser Verhalten und wie wir die Realität interpretieren. Es ist wichtig, sich erst einmal darüber bewusst zu werden, welche Glaubenssätze ich konkret habe und dann eine Technik zu finden, mit der ich gut an der Transformation von einschränkenden Glaubenssätzen arbeiten kann.