Kompensationsmechanismen – Was mache ich anstatt zu fühlen?

Ich glaube, dass wir alle sehr viele Angewohnheiten haben, die der Vermeidung von unangenehmen Gefühlen dienen. Oft laufen diese Kompensationsmechanismen unbewusst ab und uns ist gerade gar nicht klar, was wir gerade tun.

Oft ist die Tafel Schokolade schon aufgegessen, da fragen wir uns erst, warum wir gerade eine ganze Tafel gegessen haben und nicht irgendwann zwischendrin aufgehört haben zu essen. Oft ist es schon spät nachts und wir haben anstatt einer Folge der Serie ganz viele geguckt, da fragen wir uns erst, warum wir nicht nach einer Folge aufgehört haben. Oft ist das Geld schon sinnlos für irgendwas Materielles ausgegeben, da fragen wir uns erst, warum wir uns diesen Kram, den wir gar nicht brauchen, jetzt gerade unbedingt kaufen mussten.

All das sind Beispiele für Kompensationsmechanismen.

Dinge, die wir tun, anstatt zu fühlen.

Wir essen unsere Gefühle. Wir gucken Fernsehen, um von unseren Gefühlen abgelenkt zu sein. Wir kaufen uns glitzernde Dinge, um ein inneres Loch zu stopfen und uns für einen kleinen Moment lang durch diese neue Sache gut zu fühlen.

Nur um dann nach kurzer Zeit festzustellen, dass das jetzt gerade eine sehr kurz anhaltende Lösung war.

Denn genau das ist das Problem mit Kompensationsmechanismen: Für kurze Zeit haben wir durch sie ein besseres Gefühl. Für kurze Zeit scheint das unangenehme Gefühl vergessen. Vielleicht reden wir uns sogar ein, dass es ganz weg ist.

Doch was passiert danach? Durch unser „weg machen“ wollen des Gefühls wird es erst einmal nach unten gedrückt. Wir überlagern es mit irgendetwas anderem und zunächst scheint das auch zu funktionieren.

Doch durch das Unterdrücken geht das Gefühl nicht weg. Es löst sich nicht auf.

Ganz im Gegenteil: Es kommt stärker zurück.

Alles, was wir unterdrücken, sammelt sich in uns.

Du kannst dir deine unterdrücken und nicht gefühlten Gefühle wie ein brodelndes Lavabecken tief in dir drin vorstellen.

Jedes Mal, das du wieder nicht bereit bist, zu fühlen, füllt sich das Becken mehr.

Und mehr und mehr.

Bis es irgendwann überquillt.

Und dann rächt sich das nicht fühlen Wollen des Gefühls fürchterlich. Das Gefühl manifestiert sich in Form eines Schmerzes oder einer Krankheit.

Es ist ein Schrei des Gefühls nach bejahender Aufmerksamkeit.

Und mehr will das Gefühl auch gar nicht. Egal, um welches Gefühl es sich handelt. Ob es Angst ist oder Wut oder Scham oder Schuld. All diese Gefühle – so unangenehm sie sich auch anfühlen mögen – wollen nur deine liebevolle Aufmerksamkeit. Sie wollen, dass du wie eine Mutter und wie ein Vater liebevoll zu ihnen sagst: „Ihr dürft alle da sein!“

Stelle dir vor, dass du wie ein Gasthaus bist und deine Gefühle sind deine Gäste. Jedes von ihnen ist nur zu Besuch da. Deshalb brauchst du auch keine Angst vor ihnen zu haben. Sie kommen und sie gehen.

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Ich weiß, dass es im ersten Augenblick oft leichter scheint, den Weg des Kompensierens zu gehen als den Weg des Fühlens. Ich mache das auch immer noch oft genug. Aber all deine Kompensationsmechanismen können dir immer nur kurzfristig Erleichterung verschaffen. Langfristig machen sie allerdings alles nur noch schlimmer.

Das Essen, das du isst anstatt zu fühlen, macht deinen Körper schwerer und schlapper. Wenn du etwas isst, was dein Körper gerade nicht braucht, dann tut ihm das nicht gut. Es entzieht ihm Energie und legt ihn lahm. Dazu kommt, dass dieser Kompensationsmechanismus zur Folge haben kann, dass es dir schwerer fällt, das Aussehen deines Körpers zu lieben.

Die Serien, die du bis tief in die Nacht schaust, verhindern, dass du genug Schlaf bekommst. Außerdem entfernen sie dich oft vom Hier und Jetzt und verhindern, dass du mit deinem Leben zufrieden bist.

Die Sachen, die du kaufst, obwohl du sie nicht brauchst, machen dich immer abhängiger von Konsumgütern und erfordern immer mehr Geld. Das heißt, dein Lebensstandard steigt und du bist immer mehr auf Geld angewiesen und wirst dadurch unfrei.

All diese Kompensationsmechanismen sind also keine Lösungen für deine Probleme, sondern schaffen vielmehr immer neue Probleme.

Viel leichter ist es da doch eigentlich, das Gefühl in liebevollem Gleichmut da sein zu lassen oder? Zu sagen: „Hey Gefühl, du bist zwar echt unangenehm, aber ich weiß, dass du mir nichts tust und ich gebe dir jetzt einfach mal ein bisschen Raum und vertraue darauf, dass du dann auch wieder gehst.“

Ich lade dich dazu ein, das nächste Mal, wenn du dich bei einem deiner Kompensationsmechanismen ertappst, innezuhalten und dich zu fragen: „Welches Gefühl steckt dahinter, dass ich das jetzt gerade tun will?“

Und dann sei still und mutig und lausche der Antwort.

Widme dich den Ursachen anstatt den Symptomen. Dir zuliebe.

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