Schlecht behandelt werden – Raus aus der Ofperrolle

OpferrolleKennst du das Gefühl, dass andere dich mies behandeln? Leidest du darunter, dass andere Menschen deine Grenzen überschreiten? Bemerkst du öfter mal, dass dein Selbstwertgefühl gerade total in den Keller geht, weil irgendwer dich so behandelt, dass deine Minderwertigkeitskomplexe getriggert werden?

Dann ist es jetzt an der Zeit, aus dieser Opferrolle auszusteigen und die dahinter stehenden Mechanismen zu durchschauen.

Wenn du zulässt, dass andere dich schlecht behandeln, dann bist du eigentlich gerade selbst derjenige/diejenige, die/der sich selbst schlecht behandelt!

Du projizierst aber in der Situation selbst deinen ganzen Gram auf die andere Person. Du sagst: “Er oder sie hat mich gerade schlecht behandelt und deswegen fühle ich mich jetzt schlecht!” …

Das ist erstens wenig reflektiert und zweitens bringt es dich nicht weiter, die Verantwortung hier abzugeben und dich in die Opferrolle zu flüchten. Ich weiß, ich bin gemein, aber meiner Erfahrung nach braucht man auch manchmal das “tough” von “tough love”.

Also, Opfer spielen bringt uns nicht weiter. Stattdessen solltest du dich fragen: Warum fühle ich mich durch das Gesagte schlecht? Was hat das mit mir zu tun?

Bei mir ist es zum Beispiel manchmal so, dass ich extrem empfindlich reagiere, wenn mir jemand etwas vorwirft, was ich mir selbst vorwerfe. Oder wenn mich jemand für etwas kritisiert, was ich selbst an mir ablehne. Dann gehe ich im außen in den Kampfmodus, obwohl es eigentlich ein innerer Kampf ist, den ich mit mir selbst führe. Und diese Projektion auf eine äußere Ebene wird natürlich niemals zur Lösung des Konfliktes führen. Gelöst werden kann der Konflikt nur da, wo er entstanden ist: im Inneren. Und jeder Konflikt entsteht eigentlich im Inneren.

Dazu kommt noch, dass ich mir niemals alles von irgendwem sagen lassen muss. Ich kann reflektieren, ob das gerade nur mein innerer Film ist oder ob das Verhalten des anderen wirklich blöd war. Wenn ich nach dieser Prüfung der Meinung bin, dass ich gerade schlecht behandelt worden bin, dann liegt es in meiner Verantwortung und meiner Pflicht mir selbst gegenüber, das anzusprechen. Es liegt in meiner Macht, zu sagen: Ich finde das gerade blöd von dir. Ich würde mir wünschen, dass du so etwas nicht sagst/machst oder dass du es anders formulierst. Damit steige ich aus der Opferrolle aus.

Wir meinen immer, dass andere Menschen von selbst erkennen müssen, wenn sie uns unrecht tun, aber das geht überhaupt nicht. Jeder Mensch hat andere Grenzen. Jeder Mensch fühlt sich durch andere Worte und Taten schlecht behandelt.

Es kann also sein, dass der andere wirklich nicht mit böser Absicht handelt. Auf der anderen Seite gibt es natürlich auch Seitenhiebe, die Absicht vom anderen sind. Aber auch hier musst du dich nicht zum Opfer machen lassen. Du konfrontierst die andere Person mit ihrem Verhalten und machst klar, dass du dir das nicht bieten lässt.

Ich hatte zum Beispiel mal beim Kickboxen einen Trainer, der total sexistische Kommentare gemacht hat. Er war davon überzeugt, dass Kickboxen keine Frauensache ist und Frauen auch sowieso (biologisch bedingt?) kein Talent für diesen Sport haben. Als mal eine Muslima mit Kopftuch trainiert hat, da war es bei ihm komplett vorbei. Das entsprach überhaupt nicht seinem katholischen Weltbild.

Auf jeden Fall habe ich diesen Typen mit seinem Sexismus knallhart konfrontiert. Immer wenn er gesagt hat: „Frauen bli, Frauen bla“ – dann habe ich gesagt: “Was soll dieser sexistische Kommentar?” Und das hat eigentlich schon ausgereicht, um den Typen mundtot zu machen. Er wurde dann ganz kleinlaut und hat gesagt: „Aber nein, so meinte ich das doch gar nicht, und so weiter und so fort…..“

Das heißt, dieser Typ hat sich die ganze Zeit auch deswegen so scheiße verhalten, weil niemand ihn mit seinem Verhalten konfrontiert hat. Niemand hat sich getraut, ihm zu sagen, dass das so nicht geht und deswegen hat er immer so weiter gemacht und ging damit natürlich (fast) allen anderen Menschen mächtig auf den Sack. Aber die meisten haben lieber hinter seinem Rücken über ihn gelästert, anstatt ihn darauf anzusprechen.

Und die Moral der Geschichte? Es kann so einfach sein:

Man muss sich nur trauen, für sich selbst einzustehen und seine Grenzen klarzumachen

Es bringt doch überhaupt nichts, wenn es dir schlecht geht, weil dich jemand schlecht behandelt. Viel besser ist es doch, diese Energie direkt gegen die auslösende Person zu richten anstatt gegen dich selbst und damit Schluss zu machen mit der Opferrolle.

Natürlich gibt es leider auch Menschen, die dich trotzdem weiterhin schlecht behandeln werden. Du fasst dir ans Herz, sammelst deinen Mut zusammen, sprichst es an, aber die andere Person ändert ihr Verhalten nicht. Vielleicht sagt sie sogar: „Ja, das verstehe ich. Du hast recht, das war doof “ etc. Aber im Endeffekt macht sie genauso weiter wie vorher, egal was du sagst, machst und wie oft du sie darum bittest, dich anders zu behandeln.

Hier gibt es nur eine Lösung: Schmeiß diesen Menschen kompromisslos aus deinem Leben! Egal, ob es deine Mutter, dein bester Freund oder deine Partnerin ist.  

Wenn du es wirklich ernst meinst mit deiner Selbstliebe und dem Entwickeln eines positiven konstanten Selbstwertgefühls, dann kannst du dir solche Menschen in deinem Leben nicht erlauben!

Gibt den Menschen eine Chance, ihr Verhalten zu ändern. Aber wenn das nicht passiert, dann musst du die Konsequenzen daraus ziehen.

Für mich heißt das gerade, meine Zwillingsschwester aus meinem Leben zu verbannen. Sie projiziert ihre Minderwertigkeitskomplexe auf mich und verhält sich deshalb mir gegenüber immer und immer wieder herablassend, bitchig und es kommen ständig durch die Hintertür irgendwelche Seitenhiebe. Wenn ich danach in mich hinein spüre, ist das Ergebnis fatal: Ich fühle mich schlecht und schreibe mir selbst einen negativen Wert zu. Ansprechen bringt bei ihr leider gar nichts und deswegen muss ich selbst lernen, mich zu schützen. Und schützen kann ich mich leider nur, indem ich klare Grenzen setze und den Kontakt zu ihr meide.

Solche Entscheidungen können richtig hart sein und der Preis, den du dafür zahlst, kann ganz viel Schmerz und Trauer sein. Aber lass mich dir aus Erfahrung sagen: Dieser Schmerz ist viel viel besser als das, was du dir selbst antust, wenn du immer wieder zulässt, dass dich diese Person so behandelt.

Also behandle dich selbst gut, indem du nicht zulässt, dass jemand anders es nicht tut. Konfrontiere die Übeltäter und lerne, für dich selbst einzustehen. Denn niemand anders wird es tun – Du musst es schon selbst tun! Mache jetzt ein für alle Mal Schluss mit der Opferrolle!

2 Gedanken zu „Schlecht behandelt werden – Raus aus der Ofperrolle

  • 29. November 2018 um 18:53
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    Hier bin ich mir gerade nicht sicher, ob ich das Ende deines Beitrages so für mich annehmen kann.
    Kann nicht die Ursache für weiteres schlecht behandelt werden, darin begründet liegen, dass wir unbewusste schlechte Meinungen über uns selbst haben, sie un- bewusst auf den/ die andere Person projizieren, der/ die, uns damit nur erzählt, was wir ohne es zu wissen über uns denken?

    Antwort
    • 29. November 2018 um 19:57
      Permalink

      Liebe Petra,

      danke für dein Feedback.
      Genau auf diesen Aspekt gehe ich am Anfang des Beitrages ein:
      „Stattdessen solltest du dich fragen: Warum fühle ich mich durch das Gesagte schlecht? Was hat das mit mir zu tun?
      Bei mir ist es zum Beispiel manchmal so, dass ich extrem empfindlich reagiere, wenn mir jemand etwas vorwirft, was ich mir selbst vorwerfe. Oder wenn mich jemand für etwas kritisiert, was ich selbst an mir ablehne. Dann gehe ich im außen in den Kampfmodus, obwohl es eigentlich ein innerer Kampf ist, den ich mit mir selbst führe. Und diese Projektion auf eine äußere Ebene wird natürlich niemals zur Lösung des Konfliktes führen. Gelöst werden kann der Konflikt nur da, wo er entstanden ist: im Inneren. Und jeder Konflikt entsteht eigentlich im Inneren.“

      Liebe Grüße, Malou

      Antwort

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