Akzeptieren lernen: Mit dem Leben statt dagegen!

Akzeptieren, was du nicht ändern kannst. Fällt dir das leicht? Wahrscheinlich nicht, sonst würdest du diesen Artikel wohl nicht lesen.

Aber keine Sorge: Damit bist du nicht alleine! Etwas nicht zu akzeptieren und stattdessen in den Kampfmodus zu gehen, das ist ein beliebter Volkssport.

Was aber auch zugleich die gute Nachricht ist: Wir LERNEN erst, nicht zu akzeptieren. Wir werden so sozialisiert, dass wir verlernen, zu akzeptieren. Und genau deswegen kannst du Akzeptanz auch wieder lernen.

In diesem Artikel schauen wir uns einmal genauer an, was Akzeptanz eigentlich bedeutet und klären damit ein großes Missverständnis auf.

Außerdem bekommst du hier eine Schritt für Schritt Anleitung fürs Akzeptieren lernen.

Akzeptanz – Was bedeutet das eigentlich?

Hier komme ich schon zum ersten wichtigen Punkt: Akzeptieren heißt nicht gut finden! Dieses Missverständnis ist der Nummer 1 Grund dafür, warum Akzeptieren vielen Menschen so schwer fällt. Du findest etwas blöd und deswegen kämpfst du dagegen.

Es denkt in dir: Das sollte nicht so sein. Ich muss es ändern.

Aber genau hier liegt das Problem: Nur weil du etwas nicht magst, heißt das noch nicht, dass du es sofort ändern kannst.

Und nur weil du etwas akzeptierst, heißt das noch nicht, dass du es gut findest.

Akzeptieren und gut finden sind zwei völlig unterschiedliche Dinge.

Wenn du etwas akzeptierst, dann erkennst du damit nur an, dass es gerade Realität ist.

Denn alles, was gerade ist, existiert ja bereits. Wie kannst du da sagen: “Es sollte aber nicht sein.”?

Es IST bereits, also soll es anscheinend auch sein.

Akzeptieren bedeutet also nur, mit der Realität zu gehen statt dagegen. Das anzuerkennen, was da ist.

Ob du diese Sache dann gut oder schlecht findest, ist eine völlig andere Geschichte.

Denn wie klug kann es sein, gegen die Realität zu kämpfen? Die Realität wird immer gewinnen. Egal wie doll du dich anstrengst. Du wirst diesen Kampf immer verlieren.

Akzeptieren oder ändern?

Natürlich gibt es auch Dinge, die du nicht akzeptieren musst. Es gibt Dinge, die du verändern kannst.

Akzeptanz heißt nicht, passiv in der Ecke zu sitzen und die Verantwortung für dein Leben abzugeben. Akzeptieren bedeutet nicht, dass du aufhörst, proaktiv zu handeln.

Beim Akzeptieren lernen ist es ein wichtiger Schritt, zu unterscheiden, wo Akzeptanz Sinn macht und wo nicht.

Erst einmal verdient alles, was gerade ist, Akzeptanz. Weil es ja gerade schon ist.

Wenn es sich hier aber um eine Sache handelt, die du a) realistisch gesehen ändern kannst und b) auch gerne ändern möchtest, dann solltest du das auch tun.

Frag dich ehrlich, was du wirklich ändern kannst. Und frag dich auch ehrlich, wie viel dir das wert ist. Manche Dinge kannst du vielleicht ändern, aber die Zeit und Energie, die das kosten würde, ist es einfach nicht wert.

Hier hilft es, ehrlich zu dir selbst zu sein und eine gute Verbindung zu deiner Intuition und deinen Gefühlen zu haben.

Dinge, die Akzeptanz verdienen

Manche Fakten über das Leben sind hart, aber sie zu akzeptieren ist notwendig. Es gibt Dinge, die sich einfach nicht ändern lassen.

Die folgenden Tatsachen gehören in diese Kategorie:

1.Die Vergangenheit ist für immer vorbei

Alles, was in der Vergangenheit liegt, ist damit aus und vorbei. Mit der Vergangenheit abschließen ist deshalb die einzig logische Konsequenz. Egal, ob es sich um schöne oder um unschöne Dinge handelt: Es ist schon geschehen. Es ist für immer vorbei und nichts, was du jetzt tust, wird noch irgendetwas an der Vergangenheit ändern.

2. Du hast keine Kontrolle über andere Menschen

Was andere Menschen tun und was sie nicht tun, kannst du nur sehr begrenzt beeinflussen. Jeder Mensch hat seinen eigenen freien Willen. Und durch Manipulation seinen Willen bei anderen Menschen durchzusetzen ist auch keine gute Strategie. Wenn du durch den Einsatz von Strategie etwas bei jemandem durchgesetzt hast, ist es irgendwie nicht echt. Und wahrscheinlich wird es auch nicht lange anhalten.

Genauso sieht es aus, wenn es um die Gefühle von anderen Menschen geht. Wie ein anderer Mensch dir gegenüber empfindet, liegt nicht in deiner Hand. Du kannst anderen Menschen gegenüber authentisch und liebevoll sein, aber dann musst du loslassen. Was auch immer dann von ihnen zurück kommt, kannst du nicht kontrollieren.

Und nur das, was andere Menschen dir natürlicherweise und aus sich heraus geben möchten, ist auch wirklich echt. Deshalb tut es gut, voll und ganz zu akzeptieren, dass du keine Kontrolle über andere Menschen hast.

3. Alles stirbt irgendwann

Alles unterliegt dem Kreislauf von Leben und Sterben. Nichts ist davon ausgenommen. Gerade mit diesem Fakt strugglen viele Menschen. Sie denken: Nein, das sollte nicht so sein! Gute Dinge sollten für immer bei mir bleiben!

Und auch hier gilt: Doch, das sollte so sein. Sonst wäre es nicht so. Und warum sollte es einen Unterschied machen, ob du etwas gut oder schlecht findest? Alles, was kommt, muss auch wieder gehen. Es kommt und dann geht es wieder und schafft Raum für Neues. So ist das Leben. Der Tod ist nicht das Gegenteil vom Leben sondern ein Teil davon. Ohne den Tod gäbe es kein Leben.

4. Nichts ist perfekt

Eine weitere Hürde beim Akzeptieren lernen ist übertriebener Perfektionismus. Wenn du den Glaubenssatz hast:

“Ich kann es erst akzeptieren, wenn es perfekt ist.”,

dann wirst du wahrscheinlich sehr selten irgendwas akzeptieren. Denn nichts ist perfekt. Rein gar nichts. Und das ist auch ok so. Deinen Perfektionismus ablegen ist die einzig sinnvolle Strategie. Ansonsten kann dir Akzeptanz nie wirklich gelingen und du bist die ganze Zeit nur am Kämpfen. Und das versaut dir einfach komplett das Leben, ohne dass es dir irgendwas Positives bringt.

5. Es gibt keine Gerechtigkeit

Einen weiteren Punkt, an dem vielen Menschen Akzeptanz schwerfällt, ist Ungerechtigkeit. Ja, es gibt auf der Welt viel Ungerechtigkeit. Kinder verhungern. Länder werden im Krieg zerstört. Konzerne bereichern sich an Menschen.

Das alles passiert. Und das alles ist nicht schön.

Aber es ist Realität. Nochmal zur Erinnerung: Akzeptanz heißt nicht gut finden. Akzeptanz heißt nur, dass ich die Realität anerkenne.

Das Leben ist nicht gerecht. Die Welt ist nicht gerecht. Je eher du das akzeptierst, desto eher kannst du diesen sinnlosen Kampf loslassen.

Und natürlich kannst du dich für mehr Gerechtigkeit einsetzen. Aber nur von dem Punkt aus, dass du die Fakten, so wie sie jetzt gerade sind, erst einmal völlig akzeptierst.

6. Deine Lebensumstände sind so, wie sie sind

Es macht keinen Sinn, mit deiner Geschichte zu hadern. Du kommst aus der Familie, aus der du kommst. Dir ist im Leben das passiert, was dir passiert ist.

Damit zu hadern, woher du kommst und welche Lebensumstände du jetzt gerade vorfindest, macht keinen Sinn.

Nur von dem Zustand der absoluten Akzeptanz deiner jetzigen Lebensumstände aus kannst du dein Leben nach deinen Vorstellungen gestalten.

Zu sagen:

“Ich wünschte, ich würde aus einer wohlhabenden Familie kommen. Ich wünschte, ich hätte damals nicht diese Frau geheiratet. Ich wünschte, ich würde in einem anderen Land leben. Ich wünschte, ich hätte damals nach dem Abi studiert. Ich wünschte, ich wäre ein Mann. Ich wünschte, ich würde einen angeseheneren Beruf ausüben.”

Das ändert absolut gar nichts an dem, was ist.

All dieses anders wünschen funktioniert nicht und zieht dich nur runter. Es gibt manche Lebensumstände, die einfach so sind. Und dagegen anzukämpfen ändert kein bisschen was an ihnen.

Tipps für mehr Akzeptanz

1. Kampf hinterfragen

Um aus eingeübten Denk- und Verhaltensweisen auszubrechen, sind Fragen eine der besten Strategien. Wenn du merkst, dass du gerade auf eine bestimmte Weise über eine Situation denkst und du wirst dir in dem Moment bewusst, dann kannst du deine Annahmen über die Realität einfach infrage stellen.

Zum Beispiel wenn es gerade in dir denkt: “Das darf nicht so sein. Ich muss dagegen ankämpfen” und du merkst, was gerade in dir selbst abgeht. In diesem Moment kannst du dich fragen: “Bringt dieser Kampf gerade realistisch gesehen irgendwas? Verändert sich dadurch die Situation? Wie viel Leid fügt mir mein Kampf zu im Gegensatz zu dem Nutzen, den er mir bringt?”

Wenn du eine Frage gefunden hast, bei der es innerlich “Klick” macht, dann kannst du dich aus der Identifikation mit dem Kampf lösen. Du verstehst auf einer tiefen Ebene den Unsinn deines Kampfes und dadurch wird er überflüssig.

2. Sichtweisen von anderen adaptieren

Manchmal sind andere Menschen die besten Lehrer*innen. Jede Person hadert mit unterschiedlichen Dingen. Und umgekehrt hat jede Person ganz andere Ressourcen und Bereiche, in denen sie super klar kommt. Jeder Mensch hat irgendwelche tollen bereichernden Sichtweisen, die du dir aneignen kannst.

Wenn du das nächste Mal daran scheiterst, etwas zu akzeptieren, schaue dich einmal in deinem Umfeld um: Wer von den Menschen in deinem Leben schafft es, eine ähnliche Situation zu akzeptieren?

Wenn du jemanden gefunden hast, dann frage diese Person einmal nach ihrer Sichtweise über die Situation.

Du wirst feststellen, dass sie ganz anders als du darüber denkt. Deswegen fällt es ihr leichter, diese Sache zu akzeptieren.

Nun kannst du dich aber einfach entscheiden, genauso über diese Sache zu denken wie die andere Person. Interpretationen über Situationen sind ja nicht angeboren, sondern anerzogen. Deshalb kannst du dich selbst auch einfach umerziehen.

Und ja, egal wie alt du jetzt gerade in diesem Augenblick bist.

3. Auf Referenzerlebnisse zurückgreifen

Beim Akzeptieren lernen müssen wir nicht jedes Mal wieder bei null anfangen. Manchmal kommt es uns so vor, wenn wir gerade in einer blöden Situation sind, aber es ist nicht so.

Irgendwann einmal hast du es geschafft, etwas zu akzeptieren. Da bin ich mir ganz sicher. Du fandest etwas blöd und trotzdem konntest du es irgendwann akzeptieren und damit loslassen.

Jetzt kannst du dich einfach daran zurück erinnern, wie du das damals gemacht hast.

Was hat dir geholfen, in den Zustand der Akzeptanz zu kommen?

Welche Aktivitäten, Übungen oder Gedankengänge waren hilfreich?

Vielleicht geben dir die Antworten auf diese Fragen wichtige Impulse für die Akzeptanz der jetzigen Sache.

4. Fokus wechseln

Manchmal haben wir die Tendenz, uns an etwas festzubeißen. Wir konzentrieren uns übermäßig auf unser Problem und auf einmal sehen wir nichts anderes mehr. Es scheint riesengroß und unlösbar zu sein. Nichts anderes ist mehr wichtig. Und es ist so schlimm, dass Akzeptanz undenkbar scheint.

Doch genau mit dieser Einstellung kommen wir natürlich überhaupt nicht voran. Weder beim Lösen und Verändern noch beim Akzeptieren. Mit zu viel Druck geht überhaupt nichts mehr.

Wenn dir das passiert, ist ein Fokuswechsel gut. Wenn du merkst, du kommst gerade nicht weiter beim Akzeptieren: Lass es einfach.

Widme dich etwas anderem. Entziehe dieser Sache völlig deine Aufmerksamkeit und beschäftige dich mit etwas anderem. Geh ins Kino. Triff dich mit Freunden. Male ein Bild. Tanze mal so richtig ab.

Mach einfach irgendwas, bei dem du gut den Kopf frei bekommst.

Geh mental völlig weg von der Sache. Und geh auch völlig weg vom Akzeptieren lernen.

Wenn du dann genug Abstand hast, wird dir die Akzeptanz viel leichter fallen. Aber dafür musst du erstmal den Druck rausnehmen.

5. Meditation

Meditieren ist beim Akzeptieren lernen super hilfreich. Setze dich einfach mal zehn Minuten lang hin.

Beobachte deinen Atem und wenn der Gedanke an dein Problem kommt und du es bemerkst, gehst du einfach wieder mit deiner Aufmerksamkeit zurück zu deinem Atem. Damit übst du Gleichmut. Du kannst dich dann schneller aus dem Kampfmodus lösen und in einen Zustand der Akzeptanz zurückfinden. Wenn du im Meditieren geübt bist, kannst du es generell schneller erkennen, wenn du dich gerade gedanklich verrennst und in schädlichen Mustern feststeckst.

Und zuletzt noch wie fast immer mein Herzensrat: Geh mit Selbstliebe an die Aufgabe Akzeptieren lernen heran. Sei nett zu dir. Verliere nicht dein Selbstmitgefühl. Niemand schafft es immer, alles sofort zu akzeptieren. Gönn es dir auch mal, etwas nicht zu schaffen.

Und wenn du gerade kämpfst und weißt, dass es sinnlos ist. Na und? Wir sind alle Menschen.

Wir alle scheitern manchmal und das ist auch in Ordnung so. Du musst nicht immer alles sofort umsetzen können.

Fazit:

Beim Akzeptieren lernen müssen wir uns zuerst über das Missverständnis bewusst werden, dass Akzeptanz nicht gut finden heißt. Akzeptieren heißt nur, die Realität anzuerkennen. Es ist gut, zwischen den Dingen zu unterscheiden, die ich verändern kann und den Dingen, die ich akzeptieren muss. Es gibt Fakten, die in jedem Fall und immer Akzeptanz verdient haben. Zum Beispiel, dass alles irgendwann stirbt, die Vergangenheit vorbei ist und ich andere Menschen nicht kontrollieren kann.

Es gibt verschiedene Mindsets und Methoden, die beim Akzeptieren helfen. Hierzu zählt, andere Leute nach akzeptierenden Sichtweisen zu fragen, meine Denkmuster zu hinterfragen, zu meditieren und aus Referenzerlebnissen zu lernen. Akzeptieren lernen ist ein Prozess. Gib dir Zeit und sei stolz auf jeden kleinen Schritt.

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