Emotionale Abhängigkeit heilen in 7 Schritten

Machst du dich oft abhängig von anderen Menschen?

Orientierst du dich beim Treffen deiner Entscheidungen eher an deinem Umfeld als an deinem Innenleben? Fühlst du dich wichtigen Bezugspersonen gegenüber bedürftig?

Dann bist du in diesem Artikel gut aufgehoben. Hier schauen wir uns die Ursachen für emotionale Abhängigkeit einmal genauer an und ich zeige dir einen praktisch umsetzbaren Weg in die emotionale Freiheit auf.

Zeichen dafür, dass du emotional abhängig bist

Woran merkst du, dass du unter emotionaler Abhängigkeit leidest? Zunächst einmal ist jeder Mensch bis zu einem gewissen Grad emotional abhängig. Das ist völlig normal. Komplette Unabhängigkeit ist eine Illusion. Alleine dafür, dass mein Müsli morgens bei mir in der Müslischale landet, bin ich von einer Kette von einigen Menschen abhängig. Von derjenigen Person, die den Hafer angebaut hat, bis hin zu dem Verkaufspersonal im Supermarkt, in dem ich mein Müsli gekauft habe.

Wir alle verlassen uns auf andere Menschen. Doch es gibt einen Punkt, ab dem emotionale Abhängigkeit zur großen Belastung wird und uns unfrei macht.

Dass dieser ungute Punkt bei dir erreicht ist, merkst du an folgenden Dingen:

  • Deine Gedanken kreisen ständig um eine andere Person
  • Wenn du eine Entscheidung triffst, fragst du dich zuerst, was für die andere Person gut wäre, bevor du dich fragst, was du selbst willst
  • Du gehst gegen dich selbst, um die Liebe und Aufmerksamkeit der anderen Person zu bekommen
  • Wenn du etwas Tolles erreicht hast, willst du das Lob der anderen Person, anstatt selbst stolz auf dich zu sein
  • Du wirst eifersüchtig/unsicher, wenn die andere Person zu eng mit jemand anderem ist
  • Du stellst die Bedürfnisse und Gefühle der anderen Person über deine eigenen
  • Du fühlst dich wertvoller, wenn du mit der anderen Person zusammen bist, als wenn du alleine bist
  • Du verhältst dich klammernd und kontrollierend, wenn du das Gefühl hast, dass die andere Person sich von dir entfernt

Wenn du beim Durchlesen dieser Punkte oft innerlich genickt hast, dann ist es jetzt an der Zeit, Schritte in Richtung emotionale Unabhängigkeit zu machen.

Denn deine emotionale Abhängigkeit tut nicht nur dir nicht gut, sondern auch deinen Beziehungen nicht. Wahrscheinlich hast du in Beziehungen oft das Gefühl, am kürzeren Hebel zu sitzen. Du hast das Gefühl, dass die andere Person mit dir spielen kann, dass du ihrer Gnade ausgeliefert bist. Weil du ja existenziell von ihrer Liebe und Bestätigung abhängig bist. Und wenn sie dir diese nicht gibt, dann verhungerst du. Du sitzt auf dem Trockenen. Und ich weiß, dass das kein schönes Gefühl ist.

Folgen emotional abhängigen Verhaltens

Eine emotional abhängige Person ist für andere Menschen in Beziehungen überhaupt nicht angenehm. Auch wenn der emotional abhängige Mensch immer das Gefühl hat, er würde alles für die anderen machen und viel mehr geben als die anderen, so ist sein Altruismus eigentlich nur fake.

Denn er macht die Sachen ja nur, um dafür Liebe und Anerkennung zu bekommen. Er versucht nur deshalb, es dem anderen recht zu machen, weil er eine Gegenleistung dafür erwartet. Er macht die Beziehung zu einem Handel, indem er der anderen Person unbewusst signalisiert:

“Ich bin für dich da, aber dafür musst du auch bei mir bleiben. Ich glaube, dass ich dich liebe, aber eigentlich brauche ich dich nur.”

Das ist keine Liebe. Das ist emotionale Abhängigkeit. Die meisten Menschen verwechseln Lieben und Brauchen. Liebe ist frei. Und Liebe lässt frei. Wenn ich jemanden wirklich liebe, dann erwarte ich noch nicht einmal, dass er mich zurück liebt. Weil Liebe nicht bedürftig ist. Weil Liebe kein Handel ist.

Aber wenn ich jemanden brauche, dann will ich gefälligst auch immer genauso viel zurückbekommen, wie ich hineingebe.

Andere Menschen spüren auf einer tiefen Ebene den Unterschied zwischen Lieben und Brauchen. Und wenn sie spüren, dass sie es gerade mit einem emotionalen Bettler oder einer emotionalen Bettlerin zu tun haben, dann stößt sie das ab. Sie fühlen sich getäuscht. Weil sie wissen, dass es nicht um sie geht, sondern darum, dass die andere Person sie braucht. Sie spüren, dass die andere Person sich von ihnen abhängig macht, weil sie das Gefühl hat, alleine nicht genug zu sein.

Durch das Klammern und emotionale Manipulieren fühlen sich die anderen unwohl. Sie fühlen sich verpflichtet und unfrei mit dir.

Vielleicht ist es aber auch andersherum. Vielleicht bist du in einer Beziehung mit einer emotional abhängigen Person. Frage dich einmal: Wenn die andere Person “Ich liebe dich” zu mir sagt, fühle ich dann, dass sie wirklich meint “Ich liebe dich” oder fühlt es sich eher an wie “Ich brauche dich”?

Wenn du beim “Ich liebe dich” der anderen Person eher das Gefühl hast, dass es ein Brauchen als Lieben ist, dann hast du es gerade mit einer emotional abhängigen Person zu tun.

Viele Menschen in Partnerschaften sind eher auf dem Pfad des Brauchens unterwegs. Weil sie nie gelernt haben, wirklich zu lieben und den Unterschied nicht kennen.

Ursachen emotionaler Abhängigkeit

Warum sind wir emotional abhängig? Ursachen für emotional abhängiges Verhalten finden wir in den primären Beziehungen unseres Lebens.

Wenn du als erwachsene Person zu emotionaler Abhängigkeit neigst, dann hast du das mit ziemlicher Sicherheit irgendwo gelernt.

Vielleicht hast du in der Beziehung deiner Eltern beobachtet, dass sich ein Elternteil  oder beide vom anderen emotional abhängig gemacht haben. Dieses Muster hast du dann übernommen und reproduzierst es seitdem in deinen eigenen Beziehungen.

Vielleicht hast du als Kind auch gespürt, dass deine Eltern sich emotional von dir abhängig gemacht haben. Sie waren sich selbst nicht genug und haben versucht, sich durch ihre Elternrolle wertvoll und geliebt zu fühlen. Sie haben mit dir ein inneres Loch gefüllt. Diese Bedürftigkeit hast du gefühlt und sie als deine Vorstellung von Liebe internalisiert.

Emotional abhängiges Verhalten geht immer mit mangelnder Selbstliebe einher. Wenn du dich selbst genug lieben würdest, dann würdest du dich der anderen Person gegenüber nicht bedürftig fühlen. Du hättest nicht das Gefühl, dass du auf ihre Liebe angewiesen bist. Für eine sich selbst liebende Person ist die Liebe von anderen nur ein netter Bonus. Sie ist eine Reflexion der eigenen Liebe zu sich selbst. Deswegen ist Selbstliebe entwickeln auch bei diesem Thema das beste und wichtigste Heilmittel.

7 Schritte zur Heilung emotionaler Abhängigkeit

1. Muster erkennen

Der erste Schritt ist wie immer das Bewusstsein. Du kannst nur verändern, worüber du dir auch bewusst bist. Also reflektiere im ersten Schritt, warum du dich emotional abhängig verhältst.

Was verleitet dich ganz persönlich zu emotionaler Abhängigkeit?

Wie erklärst du dir dieses Muster?

Was passiert bei dir innerlich in Momenten emotional abhängigen Verhaltens?

Nimm dir einmal ein paar Minuten Zeit für die Beantwortung dieser Fragen. Das kannst du entweder schriftlich machen oder indem du in die Meditation gehst.

Bring Licht ins Dunkle und beleuchte deine Muster. Das ist die Voraussetzung dafür, sie in einem nächsten Schritt zu transformieren.

2. Bewusst werden

In einem zweiten Schritt wirst du dir in der Situation selbst bewusst. Du lernst, darauf zu achten, was genau in dir passiert in den Momenten emotional abhängigen Verhaltens.

Du erkennst, wenn eine Situation ein unangenehmes Gefühl in dir triggert, das am Anfang von der Abwärtsspirale steht. Um dieses unangenehme Gefühl nicht zu haben, verhältst du dich normalerweise bedürftig, klammernd, erwartungsvoll, wütend, unsicher oder eifersüchtig.

Wenn du dir aber schon am Anfang dieser Abwärtsspirale bewusst wirst, dann kannst du diese normalerweise automatisch ablaufende Kettenreaktion stoppen.

Wenn du lernst, schon ganz am Anfang dein Gefühl wahrzunehmen und liebevoll in den Arm zu nehmen, dann kannst du deine emotionale Abhängigkeit zu dir selbst zurücknehmen. Du musst sie dann nicht auf die andere Person projizieren.

3. Gefühl annehmen

Du kannst in dem Moment einfach innehalten und mit dem Gefühl sein. Du kannst lernen, das Gefühl anzunehmen. Du musst nicht äußerlich darauf reagieren.

Wenn du zum Beispiel merkst, dass du dich gerade abgewiesen fühlst, weil dein*e Partner*in den Abend lieber mit anderen Menschen als mit dir verbringen möchte und du normalerweise in dieser Situation eine dramatische Szene machen würdest oder versuchen würdest, sie/ihn so zu manipulieren, dass er/sie doch bei dir bleibt – lass diese Reaktion dieses Mal einfach weg.

Wünsche ihr oder ihm einen schönen Abend und nimm dein Gefühl zu dir selbst zurück.

Fühle liebevoll, was gerade emotional bei dir ausgelöst wurde und mach dir klar, dass das nur Gefühle sind. Sie kommen und gehen und sie tun dir nicht weh.

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4. Unabhängigkeit genießen

Gehe hinaus in die Welt wie eine mutige Löwin, wie ein mutiger Löwe.

Was machst du sonst nicht, weil du dich nicht stark genug dafür fühlst? Wo nimmst du andere Menschen als Ausrede dafür, etwas zu machen oder etwas nicht zu machen?

Lebe ganz bewusst deine Unabhängigkeit. Mache das, was du willst. Ganz unabhängig von anderen Menschen.

Vielleicht wolltest du schon immer mal zu einer Veranstaltung gehen. Aber niemand, den du kennst, wollte mitkommen und alleine hast du dich nicht getraut. Mach das nicht. Mach dich nicht abhängig von anderen. Wenn du diese Sache gerne machen willst, dann go for it. Du brauchst niemand anderen als Sicherheitsnetz, um dich dort wohlzufühlen. Geh einfach dorthin und feiere dich ganz bewusst dafür, dass du so unabhängig bist und dein eigenes Ding machst.

Achte beim Ziele setzen darauf, dass diese Ziele für dich sind und nicht für andere Menschen. In deinem Leben geht es in allererster Linie um dich. Was willst DU wirklich?

5. Kleine Erfolge feiern

Sei stolz auf dich in diesem Prozess. Feiere jeden kleinen Schritt auf deinem Weg in die emotionale Unabhängigkeit. Gewöhne dir an, eher das zu sehen, was du schon geschafft hast als immer nur das, was du noch schaffen willst.

Ja, vielleicht bist du in manchen Situationen noch sehr emotional abhängig. Aber wenn du diesen Weg gehst, dann gibt es auch Erfolge. Und wenn sie noch so klein sind.

Du hast dich einmal nicht als Erste*r gemeldet. Du hast eine Entscheidung für dich getroffen und es war dir dabei ganz egal, wie andere Menschen sich in deiner Situation entschieden hätten. Du hast dir selbst etwas gegeben, was du sonst immer von anderen wolltest.

Was auch immer du für Schritte machst auf deinem Weg in die emotionale Freiheit: Wertschätze jeden Fortschritt. Auch wenn er dir noch so klein erscheinen mag.

6. Verbringe gerne Zeit mit dir

Alleinsein genießen lernen fängt damit an, dass du regelmäßig freiwillig (!) Zeit mit dir selbst verbringst. Und nicht nur immer dann, wenn gerade niemand anders Zeit für dich hat. Damit sendest du dir nämlich das Signal, dass deine Gesellschaft nicht so wertvoll ist wie die von anderen Menschen.

Und wenn du lernst, dass es gar nicht so dramatisch ist, wenn du mal auf dich selbst gestellt bist, wirst du emotional auch freier. Du machst die Lernerfahrung, dass du gar nicht emotional von anderen Menschen abhängig bist. Du kannst dich selbst auch emotional auffangen. Es passiert nichts Schlimmes, wenn mal niemand anders als du selbst für dich da ist.

7. Lass Kontrolle und Erwartungen los

Und das gilt sowohl für Partnerschaften als auch für Freundschaften. Versuche nicht, die andere Person zu kontrollieren. Bemerke, wo du versuchst, zu kontrollieren und zu manipulieren. Und dann hör auf damit. Lass es einfach sein.

Und erwarte auch nichts von anderen. Werde dir selbst bewusst, wenn du zum Beispiel die Erwartungshaltung hast, dass die andere Person sich nach so und so vielen Minuten oder Stunden auf deine Whatsapp-Nachricht zurückgemeldet haben muss. Niemand muss irgendwas. Und für jeden Menschen ist eine kurze Zeit und eine lange Zeit etwas völlig Unterschiedliches. Also bewerte den Kommunikationsstil der anderen Person nicht mit deinen Maßstäben.

Erwarte auch nicht, dass alles, was du tust, erwidert wird. Wenn du deine*n Partner*in massierst, dann erwarte nicht, dass er oder sie dich das nächste Mal auch massiert.

Geh von diesen toxischen Erwartungen weg. Sie machen dich nur unglücklich und vergiften deine Beziehungen. Unerfüllte Erwartungen an andere Menschen führen zu dem Gefühl, dass du ein Opfer bist. Und das willst du doch nicht oder? Also raus aus der Opferrolle!

Andere Menschen verhalten sich nicht entsprechend deiner Erwartungen. Und das ist auch gar nicht weiter schlimm. Du kannst für dich selbst sorgen. Du bist nicht darauf angewiesen, dass andere Menschen deine Erwartungen erfüllen. Und du bist erst recht nicht darauf angewiesen, dass eine konkrete andere Person deine Erwartungen erfüllt.

Wenn hinter deinen Erwartungen ein Bedürfnis steckt, dass gerne erfüllt werden will, dann gibt es sicher auch andere Strategien, um dieses Bedürfnis zu erfüllen. Du bist niemals nie auf eine konkrete Situation und auf einen konkreten Menschen angewiesen. Nur auf dich selbst. Auf dich selbst bist du tatsächlich angewiesen.

Deshalb sei die Liebe, die du dir von außen wünscht. Sei die Bestätigung, die du dir von außen wünscht.

Genieß deine Unabhängigkeit!



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