Wie du achtsames Selbstmitgefühl entwickeln kannst

Die Selbstliebe hat viele Geschwister. Selbstwertgefühl, Selbstvertrauen, Selbstbewusstsein – und auch das Selbstmitgefühl. Vielleicht ist das Selbstmitgefühl sogar ihre Zwillingsschwester.

Denn die Frage: „Habe ich Mitgefühl mit mir selbst?“, hängt eng mit der Frage: „Kann ich mich selbst lieben?“ zusammen.

Wenn ich mit mir selbst mitfühlen kann, wenn ich Verständnis für mich selbst habe, dann gibt es da eine liebevolle Instanz mir selbst gegenüber in mir.

Wenn ich mich allerdings nicht liebe, dann bin ich wahrscheinlich auch sehr hart zu mir selbst. Wenn ich mich selbst nicht liebe, dann fällt es mir schwer, achtsames Selbstmitgefühl zu entwickeln. Gerade wenn einmal etwas nicht gelingt oder es mir schlecht geht, habe ich dann nicht viel Nettes zu mir selbst zu sagen.

Zum Beispiel gab es vor ein paar Jahren eine Zeit in meinem Leben, in der ich dauernd erkältet war. Ich war wirklich ungefähr genauso viel krank wie ich gesund war. Und anstatt Mitgefühl mit mir zu haben und mich liebevoll zu pflegen, habe ich mir selbst innerlich Vorwürfe gemacht, weil ich so oft krank war. Ich war sauer auf mich selbst, weil ich es nicht geschafft habe, meine Probleme auf anderen Ebenen zu lösen und anscheinend immer wieder diese Krankheit brauchte. Meine damalige Psychologin machte mich dann auf dieses Muster aufmerksam. Sie sagte: „Es geht ihnen schon schlecht und dann kommen Sie und hauen nochmal drauf.“

Das war einer dieser Momente, in denen es mir wie Schuppen von den Augen fiel: Das eigentliche Problem war nicht mein „Problem“, sondern mein Umgang damit. Das „Problem“ oder auch die Krise entstand dadurch, dass ich gemein, hart und ungnädig zu mir selbst war.

Wir werden von der Gesellschaft dazu konditioniert, alles von uns zu erwarten, aber für nichts Verständnis zu haben. Wir sind nun mal keine Roboter. Und das Leben ist nun mal kein Hollywood-Film. Es wird immer Dinge geben, die wir nicht können. Situationen, in denen wir scheitern. Phasen im Leben, in denen nichts zu funktionieren scheint und wir unser Leben als riesengroße Leere empfinden. Gerade in den Zeiten, in denen es uns schlecht geht, gilt es, achtsames Selbstmitgefühl zu entwickeln. Gerade für unsere vermeintlichen Schwächen brauchen wir dringend unser Verständnis und unser: „Es ist in Ordnung, Du bist in Ordnung. So, wie du jetzt gerade bist.“

 

Die Elemente des Selbstmitgefühls

Genauer drauf gezoomt, besteht Selbstmitgefühl aus drei verschiedenen Elementen:

  1. Selbst-Fürsorge

Die Selbst-Fürsorge ist der Teil des Selbstmitgefühls, wo wir für uns selbst sorgen. Was bedeutet es, für mich selbst zu sorgen? Das bedeutet, dass ich eine Instanz in mir installiere, die über mich wacht. Diese Instanz kannst du dir zum Beispiel als Wächter oder als starke Kriegerin vorstellen, wenn du gerne mit Imaginationen arbeitest. Was immer sich für dich gut anfühlt.

Welche Aufgabe hat diese Instanz?

Sie hat die Aufgabe, für die Erfüllung deiner Bedürfnisse zu sorgen. Das heißt einerseits, dass du deine Bedürfnisse wahrnimmst und sie dir selbst erfüllst und andererseits, dass du deine Bedürfnisse auch vor anderen aussprichst und einforderst. Gerade in Beziehungen kommt es oft vor, dass Bedürfnisse von zwei Menschen unterschiedlich sind und der eine für den anderen sein Bedürfnis zurückstellt. Und natürlich kann es auch ok sein, mein Bedürfnis für jemand anders zurückzustellen, wenn mein Bedürfnis nach Harmonie größer als das andere Bedürfnis ist. Jedoch sollte das nicht zum Dauerzustand werden, denn dann wirst du dir selbst nicht gerecht und das wiederum fällt auch der Beziehung zu Lasten.

Es gehört also auch zur Selbst-Fürsorge, „Nein“ zu sagen und Konflikte auszutragen. Denn leider ist ein „Ja“ zu mir selbst manchmal ein „Nein“ zu jemand anderem. Das lässt sich nicht vermeiden. Jedes „Nein“ kann empathisch und wertschätzend ausgedruckt werden, so dass der andere weiß, dass es keine Herabsetzung seiner Person ist.

Dieser Punkt kann schwer fallen und braucht etwas Übung. Ich habe erst mit 21 angefangen, Konflikte auszutragen, anstatt sie in mich hineinzufressen und ich sage dir, die ersten paar Male hatte ich das Gefühl, ich würde sterben. Aber es wird einfacher und das Gefühl mir selbst gegenüber wenn ich für mich eingestanden bin, ist unbezahlbar.

 

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  1. Selbst-Verständnis

Wenn du achtsames Selbstmitgefühl entwickeln willst, ist es wie oben schon angesprochen wichtig, Verständnis für dich selbst zu entwickeln.

Egal, wie verpeilt du bist. Egal, was du alles nicht kannst. Egal, was du alles nicht willst, was angeblich normal ist. Egal, was du alles nicht hast.

Du verdienst dein Verständnis. Zu hundert Prozent. Immer und in jeder Situation.

Was sind besonders Situationen, in denen Selbst-Verständnis wichtig ist?

All das sind Situationen, wo mein Verständnis mir selbst gegenüber so verdammt wichtig ist und wo es leider oft verloren geht. Es sind Situationen, in denen es mir sowieso schon nicht gut geht und ich durch meine Reaktion darauf die Sache entweder entscheidend verbessern oder entscheidend verschlimmern kann.

Wenn die Situation gerade sowieso schon blöd ist und ich trete auch noch nach, wird sich davon irgendwas verbessern? Nein, im Gegenteil: Dann kommt nur noch ein ungutes Gefühl mir selbst gegenüber hinzu.

Und auf der anderen Seite löst sich das ungute Gefühl etwas, wenn ich sanft zu mir bin und Verständnis für mich selbst habe.

 

  1. Selbst-Achtsamkeit

Wenn ich achtsames Selbstmitgefühl entwickeln will, ist der Teil der Achtsamkeit natürlich unabdingbar.

Die Selbst-Achtsamkeit ist notwendig, damit ich überhaupt erst mal bemerke, was gerade in mir abgeht. Denn, wenn ich keine Achtsamkeit für meine inneren Prozesse habe, dann bemerke ich natürlich auch nicht, wenn ich gerade ein destruktives inneres Selbstgespräch führe oder wenn ich mich selbst gerade auf irgendeine andere Art schlecht behandle.

Selbst-Achtsamkeit beinhaltet, meine Gefühle und Gedanken wahrzunehmen und sie zuzulassen. Selbst-Achtsamkeit beinhaltet, mir Zeit für mich selbst zu nehmen. Selbst-Achtsamkeit beinhaltet, mich zu fragen, wie es mir geht.

Ich gehe also bewusst und achtsam mit mir selbst um. Ich gebe mir selbst Raum und ich gönne mir Ich-Zeit. Ich frage mich regelmäßig: Wie geht es mir eigentlich gerade?  Braucht gerade irgendetwas in mir meine Aufmerksamkeit?

 

Hier noch einmal eine selbst gebastelte Grafik zur Veranschaulichung der verschiedenen Elemente des Selbstmitgefühls:

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