Alleinsein genießen – Schluss mit der Einsamkeit

Die Einsamkeit. Ein schwieriges Thema für viele Menschen. Für mich manchmal auch.

Und warum ist das so?

Das Gefühl der Einsamkeit entsteht, wenn wir alleine sind und diesen Zustand auf eine bestimmte Art interpretieren.

Das ist schon der erste wichtige Punkt: Einsamkeit entsteht nicht automatisch wenn ein Mensch alleine ist!

Es ist auch möglich, Alleinsein zu genießen.

Ich weiß, dass es sich manchmal so anfühlen kann, als würde das Gefühl der Einsamkeit „automatisch“ kommen, wenn du alleine bist, aber dem ist nicht so.

Es gehört eine Interpretation von dir dazu, das Gefühl der Einsamkeit auszulösen.

Du bist alleine und in dem Moment, in dem du bewusst oder unbewusst feststellst, dass du alleine bist, läuft irgendein Film bei dir ab.

 

Gründe für die Angst vorm alleine sein

Meistens hat die Angst vorm alleine sein viel mit folgenden Punkten zu tun:

 

Deine Ausrichtung auf andere Menschen.

Du glaubst unbewusst, dass du andere Menschen brauchst, um dich vollständig zu fühlen. Du fühlst dich nackt, ungeschützt, unglücklich und auf dich gestellt, wenn niemand anders da ist. Wenn andere Menschen um dich herum sind, die dir irgendeine Form von Input geben, fühlst du dich dadurch verbunden oder erfüllt und wenn das mal wegfällt, empfindest du eine Leere. Du empfindest Einsamkeit.

 

Du magst dich selbst (noch) nicht besonders doll.

Meine ehemalige Psychologin hat mal zu mir gesagt: „Wenn man sich selbst nicht mag, dann verbringt man natürlich auch nicht gerne Zeit mit sich selbst.“ Macht Sinn oder? Du verbringst ja auch sonst keine Zeit mit Menschen, die du doof findest. Im Gegenteil, wahrscheinlich versuchst du so viel Zeit wie möglich mit Menschen zu verbringen, die du magst und schätzt.

Da du dich selbst aber nun schlecht ausblenden oder auswechseln kannst, ist die einzig kluge Lösung hierfür, daran zu arbeiten, dich selbst zu mögen. Baue eine positive Beziehung zu dir selbst auf. Dann wirst du auch gerne Zeit mit dir selbst verbringen. Lerne, dir selbst dein bester Freund / deine beste Freundin zu sein.

 

Angst vor unangenehmen Gefühlen.

Ein weiterer Grund dafür, dass viele Menschen alleine sein als etwas Negatives empfinden ist die – naja wie sage ich das jetzt diplomatisch – emotionale Ungeübtheit der meisten Menschen.

Was meine ich damit? Damit meine ich, dass die Meisten von uns ihr ganzes Leben lang darin trainiert wurden, immer rationaler zu werden, während die emotionale Kompetenz langsam aber sicher verkümmert ist.

Die Meisten von uns haben von ihren Eltern nicht beigebracht bekommen, wie sie emotional kompetent werden.

Hat dir dein Vater früher gesagt: „Kind, wenn du mal dieses oder jenes Gefühl bemerkst, wäre es gut, dieses oder jenes zu tun.“? Vermutlich nicht.

Vermutlich haben dir deine Eltern die Unterdrückung ihrer Gefühle vorgelebt und dir damit indirekt zu verstehen gegeben, dass du das Gleiche machen sollst. Weil sie deine Gefühle unangenehm und lästig fanden und sie überfordert waren. Wenn man in dieser Unterdrückung seiner Gefühle einige Jahre oder auch Jahrzehnte lebt, sammelt sich da natürlich einiges an.

Und wenn wir alleine sind, wenn wir keinen Input von außen bekommen, dann kann das ganz schön unangenehm werden. Denn, wenn es außen still wird, kann das Innenleben ganz schön laut werden. Lang verdrängte Gefühle können sich trauen, an die Oberfläche zu kommen und das kann erst mal erschreckend sein. Das Gefühl der Einsamkeit macht sich breit.

Es kann dazu führen, dass sich alleine sein für dich unangenehm anfühlt und du diesen Zustand lieber vermeiden willst. Wenn du dich jetzt im Lesen dieser Zeilen widererkennst, dann verzweifle bitte nicht oder sei auf dich selbst sauer. Fange einfach an, in kleinen Schritten, dich mit deinen Gefühlen anzufreunden und sie zu fühlen. Emotionale Kompetenz entsteht so wie jede andere Kompetenz auch nicht von jetzt auf gleich, sondern in einem schrittweisen Prozess.

Stelle dir jetzt oder später in einer ruhigen Stunde einfach mal einen Wecker in fünf Minuten und nimm dir vor, vorsichtig zu erkunden, was da in dir ist. Fünf Minuten kann man alles aushalten oder? Schließe einfach die Augen und gehe in die Haltung eines neugierigen Entdeckers / einer neugierigen Entdeckerin. Schau dir an, was da ist, ohne ein Drama daraus zu machen.

Gebe deinem Innenleben Raum und es wird aufhören, sich für dich unangenehm anzufühlen. Es wird aufhören, bedrohlich zu sein.

 

Alleinsein genießen – hilfreiche Gedankengänge

Der einzige Mensch, der immer bei mir ist, bin ich selbst. Andere Menschen sind immer nur in begrenzten Situationen oder für eine begrenzte Zeitspanne bei mir.

Der Mensch, der mit mir durch mein ganzes Leben geht, das bin ich!

Mich habe ich immer!

Ich bin immer für mich da und mich selbst kann ich niemals verlieren!

Dieser Gedankengang hilft mir extrem, die Dinge ins richtige Licht zu rücken und dankbar für mich selbst zu sein. Wir richten immer den Blick nach außen und versuchen da eine sichere und dauerhafte Beziehung zu finden – dabei haben wir die bereits.

Mit uns, in uns.

Wir haben einen Menschen, der für immer da sein wird und das ist verdammt viel. Diese Beziehung sollten wir wertschätzen.

Alleine sein heißt auch frei sein. Wenn andere Menschen da sind, ist es manchmal schwierig, bei sich zu bleiben. Die Bedürfnisse des anderen, seine Sichtweisen oder irgendein anderer Aspekt seiner Anwesenheit kann auch manchmal ganz schön stressen und Energie abziehen. Wenn wir alleine sind, dann ist da niemand anders mehr auf den wir Rücksicht nehmen müssen, ist das nicht toll? Wir können dann ganz deutlich spüren, was wir eigentlich wollen und wie es uns selbst gerade geht. Alleine sein bedeutet auch, frei zu sein. Frei vom Einfluss der anderen.

Und zuletzt noch der Rat an dich: Geh es langsam an! Sei nett und sanft zu dir! Wenn du bis jetzt nur ganz selten Zeit mit dir selbst verbracht hast, dann ist es wahrscheinlich nicht besonders ratsam, dich gleich einen ganzen Tag lang mit dir selbst einzuschließen. Der Schuss wird nach hinten losgehen. Wahre Entwicklung findet statt, wenn du jeden Tag einen kleinen Schritt gehst. Ganz langsam und ganz kontinuierlich. Alleinsein genießen zu lernen, das ist ein Prozess.

Also gehe Babysteps und bleib dran. Gerade wenn es viel emotionalen Balast gibt, der aufgearbeitet werden will, oder du bis jetzt immer extrem viel unter Menschen warst, kann es einige Zeit dauern, bis du dich mit dem alleine sein wohlfühlst.

Und es wird immer mal wieder Zeiten geben, wo sich das alleine sein wie Einsamkeit anfühlt und auch das ist ok. Geh nur weiter deinen Weg und eines Tages wirst du feststellen, dass du gerade alleine warst und dich dabei aus Versehen pudelwohl gefühlt hast. Alleinsein genießen – das kannst du jetzt.

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