Im Flow sein – Leben im Fluss

Kennst du das Gefühl, im Flow zu sein?

Selbst, wenn du jetzt innerlich mit “nein” oder “weiß nicht” geantwortet hast – Wir alle waren schon mal im Flow und wir alle haben die Fähigkeit dazu.

Aber die Wahrheit ist, dass die meisten Erwachsenen diesen Zustand viel zu selten erleben.

Als Kind bist du ganz automatisch dauernd im Flow. Du denkst nicht darüber nach, was du alles noch tun musst, was dabei schief gehen könnte oder zweifelst daran, ob du gerade gut genug bist.

Das sind alles Sachen, die uns systematisch anerzogen werden und die das im Flow sein dann ziemlich erschweren.


Aber erst mal back to the Basics:

Was bedeutet Flow?

Im Flow sein bedeutet, sich völlig in einer Tätigkeit zu verlieren. Wenn man im Flow ist, dann IST man einfach. Raum und Zeit werden zur Nebensache und du bist völlig im Moment. Du kannst gar nicht sagen, wie viel Zeit vergangen ist, es spielt auch gar keine Rolle. Im Zustand des Flow sind unsere Wünsche, Gefühle, Handlungen und Gedanken völlig in Alignment. Alles ist stimmig. Es gibt kein Widerstreben, keinen inneren Widerstand. Die Zeit vergeht schneller als in anderen Momenten deines Lebens. Du fließt einfach nur.



Wir können bei ganz verschiedenen Aktivitäten im Flow sein. Beim Sport und bei künstlerischen Tätigkeiten passiert der Flow-Zustand besonders oft. Aber generell kannst du bei jeder Tätigkeit in den Flow kommen, die du gerne machst.


Mihaly Csikszentmihalyi – Entdecker des Flow

Geprägt hat das Konzept des Flow der Glücksforscher Mihaly Csikszentmihalyi. Er hat in den 1970-ern für eine Forschungsarbeit verschiedene Künstler*innen beobachtet und befragt. Dabei ist ihm besonders aufgefallen, dass die entstandenen Bilder den Kunstschaffenden am Ende oftmals völlig egal waren.

Es ging nicht darum, sie zu verkaufen oder berühmt zu werden. Die Künstler*innen arbeiteten einfach deshalb hart und konzentriert, weil sie so sehr in der Tätigkeit aufgingen. Es war kein “Ich tue das, damit…”, sondern nur um der Tätigkeit selbst willen.

Jaaa da staunst du wahrscheinlich und vielleicht bist du auch ein wenig neidisch. Denn wann gelingt es uns schon mal wirklich, eine Sache um ihrer selbst willen zu tun?

Selbst beim Meditieren haben die Meisten immernoch im Hinterkopf, dass sie dadurch ruhiger werden wollen oder unangenehme Themen transformieren wollen.

Aber die von Mihaly Csikszentmihalyi erforschten Künstler*innen waren einfach im Flow.

Sie alle beschrieben den Zustand, in dem sie sich beim Kunst schaffen befinden, als fließend. Daher der Name Flow.


Merkmale des Flow

Mihaly Csikszentmihalyi hat bei seiner Forschung 9 Merkmale identifiziert, die das im Flow sein kennzeichnen. Es müssen allerdings nicht alle Bedingungen gleichzeitig erfüllt sein, damit man von Flow sprechen kann.

Die ersten vier Merkmale sind sozusagen die Grundbedingungen für das Erleben von Flow.


1. klares Ziel

Im Flow zu sein bedeutet eben nicht, planlos vor sich hinzutreiben. Denn, wenn ich gar nicht weiß, wo ich eigentlich ankommen will, dann kann ich auch nicht völlig loslassen. Meine Gedanken sind dann immer damit beschäftigt, was ich eigentlich will und wo es vielleicht hingehen soll.

Das behindert den Flow-Zustand. Ich kann nicht fließen, wenn ich zu sehr im Kopf bin. Und ich kann auch nicht fließen, wenn ich gar nicht weiß, wohin.

Ein gutes Beispiel für dieses klare Ziel ist ein Boxkampf. Ich muss hier nicht groß über mein Ziel nachdenken. Es ist völlig klar. Ich möchte Schläge vom Gegner blocken oder ihnen ausweichen und andersherum den Gegner so oft und so hart wie möglich treffen. Das Ziel ist: Gewinnen. Dadurch, dass mein Ziel vorher glasklar definiert ist, wird die Wahrscheinlichkeit des im Flow seins viel höher. Ich kann einfach entspannt in der Tätigkeit sein, weil ich genau weiß, wie das Ergebnis aussehen soll.

Aber Vorsicht: Das heißt nicht, dass ich mich übermäßig auf dieses Ziel versteife. Denn dann würde wieder Stress und Druck in mir entstehen. Damit würde ich den inneren Kritiker stärken und das wiederum führt ganz sicher nicht zum Flow. Wenn du dir den Flow als einen Fluss vorstellst, dann ist zu viel Druck ein Staudamm. Er verhindert das Fließen des Flusses. Das Wasser kann dann an dieser Stelle nicht mehr weiter fließen.

Also: Ziel ja. Übermäßiger Fokus aufs Ziel, nein.


2. Herausforderung

Der zweite Faktor für den Flow ist das richtige Maß an Herausforderung. Das heißt, meine Aufgabe muss mich fordern ohne mich zu überfordern.

Wenn eine Aufgabe überhaupt nicht herausfordernd ist, dann langweile ich mich. Und im Zustand der Langeweile ist kein Flow zu finden. Genauso wenig wie im Zustand der Überforderung. Denn, wenn ich überfordert bin, dann schaltet mein Gehirn und mein Körper in den Alarmmodus. Und im Alarmmodus ist ein Fließen völlig ausgeschlossen.

Es sollte sich also um eine Tätigkeit handeln, bei der ich meine Komfortzone verlasse ohne aber in den Bereich meiner Panikzone zu kommen.

Ob und wann das so ist, hängt von meinen Fähigkeiten und von meiner Selbstbeurteilung ab. Wenn ich die Fähigkeit dazu besitze, die Situation gut zu meistern und mir das auch völlig bewusst ist – alles gut.

Aber wenn ich die Fähigkeiten zwar besitze, aber chronisch dazu neige, mich selbst zu unterschätzen und anzuzweifeln, dann habe ich ein Problem. Denn dann kann mich eine Situation überfordern, einfach weil ich mich in diese Überforderung selbst reindenke. Obwohl sie eigentlich realistisch gesehen gar nicht da sein müsste.

Frag dich einmal, was die Situation von dir verlangt und dann sei ehrlich zu dir, ob du diese Anforderungen erfüllen kannst.

Auch Perfektionismus ist eine beliebte Falle, die schnell zur Überforderung führt. Denn wenn du es perfekt machen willst, dann ist es natürlich nie gut genug.

Dann bist du natürlich nie gut genug.

NIE.

Nie, niemals, nie.

Also leg deinen Perfektionismus ab.

Betrachte die Anforderungen und deine Fähigkeiten realistisch.

Wenn du bei dieser Reflexion feststellt, dass deine Tätigkeit über- oder unterfordernd ist, dann können folgende Strategien Abhilfe schaffen:

Bei Überforderung schau einmal, ob du die Aufgabe in kleinere Teilaufgaben zerkleinern kannst, sodass deine Aufgabe nicht mehr so überfordernd auf dich wirkt.

Wenn du unterfordert bist bei deiner Tätigkeit, dann schau mal, ob du die Aufgabe irgendwie aufpeppen kannst. Vielleicht kannst du irgendetwas hinzufügen, was die Aufgabe spannender macht. Einen zusätzlicher Reiz.


3. intrinsische Motivation

Liebst du deine Arbeit? Wenn nicht, dann kannst du hierbei schon mal nicht in den Flow kommen.

Denn um im Flow zu sein brauchst du eine intrinsische Motivation. Du musst das, was du da gerade tust, wirklich gerne machen.

Wenn du es nicht wirklich aus dir heraus gerne tust und es nur machst, um damit etwas anderes zu erreichen oder weil jemand anders es von dir verlangt, dann wirst du dabei kaum ins Fließen kommen.

Suche dir also eine Tätigkeit für deinen Flow-Zustand aus, in der du wirklich im Herzen bist. Eine Tätigkeit, bei der es nur so aus dir herausfließt.

Auch das kannst du trainieren: Du kannst auch bei Tätigkeiten, die du bis jetzt aus anderen Gründen gemacht hast, nach intrinsischen Gründen suchen. Besinne dich einfach darauf, was dir an der Tätigkeit Freude bringt.

Und wenn dir nichts daran Freude bereitet: Bist du dir sicher, dass du diese Sache trotzdem weiter machen willst?

Das ist dann vielleicht nicht die beste Strategie, dich selbst glücklich zu machen. Denn wenn du Glück finden willst, dann darfst du dein Leben auch auf das ausrichten, was dir Freude bringt.


4. Konzentration

Bei dem Merkmal Konzentration gilt genau das Gleiche wie für das Ziel. Es ist wichtig, in einem Zustand der Konzentration zu sein, um in den Flow zu kommen. Aber: diese Konzentration ist keine angespannte.

Im Gegenteil. Es ist ein entspanntes konzentriert sein. Ein lockeres fokussiert sein. Im Flow sind wir in einem Zustand völliger Präsenz. Wir sind ganz da. Ohne uns dabei anzustrengen.

Um in diesen Zustand zu kommen, können folgende Tipps helfen:

  • Kein Multitasking. Mache nur eine Sache gleichzeitig und gebe dich ihr völlig hin.
  • Vermeide Ablenkungen.
  • Schaffe dir ein räumliches Umfeld, das die Konzentration fördert.
  • Stimme dich bewusst innerlich darauf ein, in dieser Tätigkeit jetzt völlig präsent zu sein.

Was passiert im Flow?

Im Flow sein lässt sich leider nicht erzwingen. Es passiert ganz automatisch. Flow ist ein Zustand der absoluten Mühelosigkeit.

Wir sind im Flow immer komplett im Hier und Jetzt. Wir haben das subjektive Gefühl, dass wir gerade alles im Griff haben. Dieses Gefühl von Kontrolle kommt ganz von alleine im Flow. Die Betonung liegt hierbei auf dem Gefühl. Die Kontrolle findet nicht im Kopf statt. Eine Kontrolle im Kopf geht wieder gegen den Flow.

Denn eine Kontrolle im Kopf bedeutet einen ständiger innerer Dialog:

“Mache ich das gerade richtig? Pass auf, dass du dich gut deckst, wenn sie gleich einen linken Kopfhaken versucht. Welche Kombination könnte ich jetzt noch machen? Sind die Zuschauer auch auf meiner Seite?”

Diesen Monkey-Mind gibt es im Flow nicht. Im Flow ist der Geist ruhig und klar. Wie ein Bergsee. Es gibt kein “Ich sollte”, “Ich könnte” oder “Ich müsste”.

Es gibt nur ein:

“Ich bin”



Deshalb geht es beim Flow darum, diese Kopfkontrolle, in der wir so oft feststecken,  loszulassen.

Du gehst raus aus der Kopfkontrolle hinein in den Körper. Wenn du in deinem Körper tiefes Urvertrauen spürst, wenn du geerdet bist, dann brauchst du keine Kontrolle. Du bist dann in der Kontrolle. Aber in einer anderen viel tieferen Kontrolle.

Es gibt ein wundervolles Zitat dazu. Es geht so:

“You have to let go of control in order to gain control.”

Und das kannst du üben. Wenn du eine Tätigkeit wirklich gerne machst und du gut darin bist, dann brauchst du keine Kontrolle. Du kannst dann einfach darauf vertrauen, dass alles läuft. Du kannst einfach alles fließen lassen.

Wenn du im Flow bist, dann verlierst du völlig das Gefühl für die Zeit. Diese Momente, in denen du mit einem erschrockenen Blick auf die Uhr festgestellt hast: “Huch, es ist schon so spät? Die Zeit ist ja wie im Flug vergangen!” – das waren Flow-Momente. Wir achten nicht auf die Zeit, wenn wir im Flow sind. Sie ist nicht wichtig. Sie vergeht anders.

Und genauso wie wir die Zeit vergessen, vergessen wir auch uns selbst. In Flow-Momenten reflektieren wir uns nicht die ganze Zeit selbst. Dieser Selbstbezug wird unwichtig. Wir sind einfach. Es gibt nichts, was angezweifelt oder beurteilt werden müsste. Dein Ego wird für einen Moment ganz still.

Im Flow sein ist eine Erfahrung des reinen Bewusstseins. Im Flow weiß ich genau, wer ich bin. Ich bin völlig verbunden mit mir und der Welt ohne an irgendetwas anzuhaften.



Step into your Flow

Hast du im Artikel ein paar Inspirationen dafür gefunden, in deinen Flow zu kommen?

Fange am besten mit einer Tätigkeit an, bei der die oben beschriebenen Merkmale am ehesten zutreffen.

Und überprüfe dich auch einfach immer mal wieder im Alltag:

“Bin ich gerade zu sehr in der Kopfkontrolle?”

“Warum mache ich gerade das, was ich tue? Finde ich daran Freude?”

“Fühle ich mich gerade unter- oder überfordert? Kann ich irgendwas dafür tun, dass das Maß an Herausforderung sich für mich stimmiger anfühlt?”

Auch wenn sich der Flow-Zustand nicht erzwingen lässt, so kannst du doch etwas dafür tun, dich mehr für ihn zu öffnen. Du kannst üben, deine Sorgen, deine Kopfkontrolle, deine versteckten Motive, warum du Sachen machst, loszulassen. Du kannst üben, Dinge um ihrer selbst willen zu tun. Du kannst üben, wieder Kind zu sein und dein Leben fließen zu lassen.

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