Trennung verarbeiten: So lässt du deine Beziehung los

Mit einer Trennung klarzukommen, kann im ersten Moment schmerzhaft und überfordernd sein.

Eine geliebte Person, mit der du viel Zeit verbracht hast, ist auf einmal weg.

Jemand, der wichtig für dein Leben war, ist jetzt kein Teil mehr davon.

Und wahrscheinlich hinterlässt diese Person eine ziemlich große Lücke.

Nun gilt es mit diesem Loch, in dem du gerade bist, umzugehen.

 

Den Schmerz annehmen

Das allererste Problem, was wir in dieser Situation oft selbst kreieren, ist das Ablehnen vom Trennungsschmerz.

Denn egal, ob du dich getrennt hast oder ob sich die andere Person von dir getrennt hat – ein Trennungsschmerz entsteht immer, wenn Liebe im Spiel war.

Wenn du über einen längeren Zeitraum hinweg regelmäßig Zeit mit einer Person verbracht hast, für die du Zuneigung empfunden hast, dann tut ihr Verlust weh. Punkt.

Dagegen kannst du gar nichts machen. Und diesen Schmerz wegrationalisieren zu wollen, funktioniert leider nicht.

Um das zu verdeutlichen, hier ein Beispiel aus meinem Leben: Ich habe mich kürzlich von meinem Freund getrennt und am Anfang hat sich das einfach nur gut angefühlt. Ich habe mich frei und glücklich gefühlt. Ich war einfach im 7. Himmel mit mir selbst und habe meine wiedergewonnene Freiheit und Selbstbestimmtheit gefeiert.

Als sich dann so langsam der Schmerz unter die angenehmen Gefühlen gemischt hat, wollte ich den zuerst nicht haben.

Ich habe versucht, ihn wegzurationalisieren.

Ich habe mir gesagt: “Ich habe mich ja getrennt und überhaupt, so tief waren die Gefühle ja nicht. Ich habe gar keinen Grund, traurig zu sein.”

Dabei war diese Rationalisierung natürlich nur eine Strategie von mir, um den Schmerz abzulehnen. Um ihn nicht fühlen zu müssen.

Wenn ich rational gesehen gar keinen Grund dafür habe, traurig zu sein, dann muss ich auch die Trauer nicht fühlen. Sie ist ja gar nicht da. Hach, wie wundervoll.

Und genauso machen das viele Menschen nach einer Trennung. Sie finden die unterschiedlichsten Gründe dafür, warum es in ihrem Fall überhaupt gar keinen Grund gibt, traurig zu sein.

“Ach, es war ja auch besser so. Wir haben uns ja nur noch gestritten.”

“Sie ist ja fremdgegangen. Der weine ich keine Träne nach. Das verdient die gar nicht.”

Dabei geht es beim Trennungsschmerz überhaupt nicht darum, ob der andere diesen Schmerz verdient hat oder wer “Schuld” ist. Wenn du eine Trennung verarbeiten willst, dann meldet sich irgendwann immer ein Schmerz.

Denn unabhängig davon, wie die Beziehung am Ende war und was du vielleicht denkst, hätte die andere Person dir angetan – ihr hattet eine tiefe emotionale Ebene miteinander. Sonst wärt ihr nicht zusammen gewesen.

Und um eine emotionale Verbindung loszulassen, braucht der Mensch eine Trauerphase. Er braucht es, zu weinen und zu betrauern. Sonst geht es nicht weiter

Wenn du gerade eine Trennung hinter dir hast, verabrede dich einmal bewusst mit deinem Trennungsschmerz für eine Stunde. Geh in die Stille und gib ihm Raum. Wieg ihn auf deinem Schoß wie eine Mutter ihr Kind. Und du wirst sehen: Je mehr Raum du ihm zugestehst, desto mehr verblasst er. Bis er sich dann”puff” ganz auflöst und Platz für Neues schafft.

 

Reflexion der Beziehung

Außerdem kannst du das Ende eine Beziehung immer als Gelegenheit nutzen, um etwas daraus zu lernen. Du kannst dich bewusst neu ausrichten und dir überlegen, was du gerne ab jetzt anders machen willst, weil es dir nicht mehr dient.

Welchen Kompromiss bist du während deiner Partnerschaft eingegangen, den du jetzt wieder zurücknehmen darfst?

Vielleicht hast du ein Hobby vernachlässigt, weil “dein Schatz” damit nichts anfangen konnte. Oder du hast auf dein Lieblingsessen verzichtet, weil er oder sie es nicht mochte. Was auch immer es ist, spätestens jetzt ist der Zeitpunkt, an dem du deine Wünsche und Bedürfnisse wieder an erste Stelle stellst.

Vielleicht möchtest du aus dieser vergangenen Partnerschaft auch lernen, wo du in zukünftigen Beziehungen keine Kompromisse mehr eingehen willst. Vielleicht stellst du im Nachhinein fest, dass du mehr für dich selbst hättest einstehen sollen. Sehr viele Menschen in Partnerschaften begehen regelmäßig Selbstverrat. Sie meinen, sie müssten sich selbst unterdrücken, um es der anderen Person recht zu machen. Dass du damit weder dir selbst noch der anderen Person einen Gefallen tust, ist eigentlich klar. Und dennoch ist das ein Fettnäpfchen, in das viele Menschen in Beziehungen immer und immer wieder mit Anlauf reinspringen.

Beim Trennung verarbeiten bewusst die vergangene Partnerschaft zu reflektieren und aufzuarbeiten, kann dich für die nächste Partnerschaft neu ausrichten. Wir machen die gleichen Fehler oft unendlich oft, bis wir daraus lernen. Und das muss ja nicht sein.

Welche Muster erkennst du jetzt bei dir? Gibt es zum Beispiel Dinge, die du dich nicht getraut hast, anzusprechen? Fällt es dir in Partnerschaften schwer, deine Bedürfnisse zu kommunizieren? Hast du deine Grenzen gut geschützt?

Das alles sind Themen, über die wir oft erst nach einer Beziehung Klarheit haben. Währenddessen sind wir vielleicht zu nah dran, um unsere Muster reflektieren zu können.

Egal, welche Aspekte deiner vergangenen Partnerschaft nochmal angeschaut werden wollen: Um mit der Vergangenheit abschließen zu können, ist diese Reflexion wichtig.

 

Bewusst in die Beziehung zu dir selbst gehen

Je nachdem, wie lang deine Beziehung war, hast du dich vielleicht während dieser Zeit etwas von dir selbst entfernt.

Es passiert nicht wenigen Menschen, am Ende einer langjährigen Beziehung dazustehen und sich zu fragen: “Wer bin ich denn eigentlich ohne sie/ihn? Und was will ICH?”

Eine Trennung kann der Beginn einer Selbstfindungsphase sein. Die eigenen Werte und Lebensziele haben sich mit denen des Partners oder der Partnerin vermischt und was genau davon zu dir gehört, ist unklar geworden.

Du kannst diese Phase als Chance sehen, dich selbst neu zu entdecken. Es kann spannend sein, wieder so intensiv in Kontakt mit dir selbst zu sein und dich zu erforschen.

Auch wenn Selbstliebe kein Ersatz für eine Partnerschaft ist, kann das Ende einer Partnerschaft doch ein schöner Anstoß sein, um die eigene Selbstliebe von nun an mehr zur Priorität zu machen. Denn Selbstliebe entwickeln kann dir beim Trennung verarbeiten helfen. Mit dir selbst bist du immer in einer Beziehung. Dein ganzes Leben lang.

Lerne, das Alleinsein genießen. Vermutlich bist du nach einer Trennung in der Situation, dass du mehr Zeit alleine verbringst als vorher. Es sei denn, du verbringst jetzt die komplette Zeit mit Freund*innen, die du vorher mit deinem Freund oder deiner Freundin zusammen warst.

…Aber ob das so empfehlenswert ist, möchte ich anzweifeln. Dass nach einer Trennung eine Lücke entsteht, ist etwas ganz Natürliches. Diese Lücke mit dir selbst zu füllen – das ist ein sehr mutiger aber auch wachstumsreicher Weg, den ich allen empfehlen würde.

 

Gib dir Zeit

Zeit allein heilt keine Wunden und trotzdem brauchst du einfach auch etwas Zeit, um über eine Trennung hinwegzukommen. Erwarte nicht von dir, schon nach zwei Wochen mit der Trennung klarzukommen.

Du bist ein Mensch und kein Roboter.

Wichtige Bezugspersonen wechselt man nicht wie ein Paar Socken.

Sei lieb zu dir. Sei sanft zu dir. Und habe Verständnis für dich und deine Gefühle.

Gib dem Verarbeiten deiner Trennung so viel Zeit, wie es eben braucht.

 

Fazit

Beim Trennung verarbeiten musst du dich zunächst einmal dem Trennungsschmerz stellen. Diesen bedingungslos zu fühlen und anzunehmen – da geht kein Weg dran vorbei! Dann ist es empfehlenswert, deine vergangene Beziehung zu reflektieren. Was möchtest du daraus lernen? Du kannst deine Trennung bewusst zum Anlass nehmen, die Beziehung zu dir selbst zu intensivieren. Dich und deine Bedürfnisse wieder an erste Stelle zu stellen und dich selbst mit bedingungsloser Liebe zu behandeln. Und zu guter Letzt gib dir etwas Zeit, um dich mit der Trennung wohlzufühlen und wieder ganz bei dir selbst anzukommen.

 

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