Dein inneres Kind heilen: 5 Schritte des Reparenting

Dein inneres Kind heilen: 5 Schritte des Reparenting

Wie schon im Artikel zum inneren Kritiker angekündigt, widme ich mich nun einem anderen sehr sehr wichtigen inneren Anteil: dem inneren Kind.


In diesem Artikel geht es darum, wie es gelingen kann, dein inneres Kind zu heilen. Das innere Kind zu integrieren, was letztlich ausgegrenzte Aspekte von uns selbst beinhaltet, führt zur Heilung. Wenn wir als erwachsenes reifes Wesen diesen Anteil in uns akzeptieren und uns liebevoll darum kümmern, werden wir wieder ganz.


Welche Kraft Nachbeelterung haben kann, wurde mir vor zwei Jahren erst so richtig bewusst: Ich war bei einem Bekannten Zuhause, der eine Hängematte hatte. Ich lag in dieser Hängematte und einer der anderen Gäste fing an, mich in der Hängematte hin und her zu schaukeln. Wow, das fühlte sich so gut an.


Intuitiv bat ich hin, mir ein Gute-Nacht-Lied vorzusingen. Als er mich dann so hin und her wiegte und mir ein Gute-Nacht-Lied vorsang, überkamen mich auf einmal die überwältigendsten Glücksgefühle. Ich fühlte mich plötzlich total sicher und geborgen. Mein inneres Kind schrie: „Ja, ja! Endlich kümmert sich jemand um mich!“


Der rationale Teil meines Verstandes war in diesem Moment total perplex: „Warum fühle ich mich so großartig durch eine so kleines Geste?“ Dieser Moment hat mir gezeigt, wie unglaublich kraftvoll und unglaublich wichtig Reparenting ist.


Trotzdem schob ich das Thema danach nochmal zur Seite oder kümmerte mich zumindest nur sehr halbherzig darum.


Bis sich dann vor einem Jahr in einer Familienaufstellung noch einmal schmerzhaft zeigte, dass ich mein inneres Kind immer noch ablehnte. Ich machte unbewusst mein inneres Kind für die schlimmen Dinge, die ihm angetan wurden, verantwortlich.


Da wurde mir bewusst: Du musst dein inneres Kind heilen! Ich machte die Heilung meines inneren Kindes von da an zur Priorität und verabredete mich regelmäßig mit mir selbst zu inneres Kind Meditationen.


Oft wird mir jetzt auch im Alltag bewusst, wenn gerade Gefühle von meinem inneren Kind die Kontrolle übernehmen. Dann nehme ich es einfach an die Hand oder in den Arm und oft löst sich dann das Gefühl.



Die verschiedenen Seiten des inneren Kindes

Das innere Kind ist ein innerer Anteil mit vielen verschiedenen Facetten. Verspieltheit, Wildheit, Intuition – das sind alles Qualitäten des inneren Kindes.


Ich kann zum Beispiel an keiner Schaukel vorbeilaufen, ohne mich draufzusetzen und selbst eine Weile zu schaukeln. Und ich hole mir total gerne eine Süßigkeitentüte vom Kiosk, obwohl dort die Süßigkeiten total überteuert sind. Aber diese Süßigkeitentüte vom Kiosk hat so eine positive Konnotation für mich, weil ich mit meinen Schwestern früher jede Woche, wenn wir unsere 50 Pfennig Taschengeld bekommen haben, sofort zum Kiosk gerannt bin und mir dort Süßigkeiten gekauft habe. Und Schaukeln löst in mir das Gefühl der Unbeschwertheit und Unbegrenztheit aus.


Mit diesem Teil meines inneren Kindes bin ich also relativ gut in Kontakt. Wenn es um die Intuition geht, dann wird es allerdings schon kritischer. Ich habe zwar mittlerweile wieder Zugang zu meiner Intuition, ertappe mich jedoch öfter dabei, wie ich mich aus rationalen Überlegungen heraus gegen sie entscheide.


Und das ist auch nicht immer nur schlecht, denn wir leben nun einmal in einer Gesellschaft, in der es verschiedene Regeln gibt, die das Funktionieren der Gesellschaft garantieren. Und davon profitiere ja auch ich. Wahrscheinlich geht es mehr um die Unterscheidungsfähigkeit: Zu wissen, wann es gut und wichtig ist, meiner Intuition zu folgen und abzuwägen, wann ich ihr zum Wohle von etwas anderem, was mir gerade wichtiger ist, nicht folgen möchte.


Um dein inneres Kind zu heilen, ist jedoch die Beschäftigung mit anderen Aspekten des inneren Kindes meist noch wichtiger: Wo hast du als Kind einen Mangel erfahren? Welche Bedürfnisse sind unbefriedigt geblieben?


Wenn du dir bis jetzt noch keine Gedanken über diese Fragen gemacht hast, dann mach an dieser Stelle eine kleine Lesepause, um Antworten zu finden…


Auch wenn es natürlich von Mensch zu Mensch Unterschiede gibt, so ähneln sich unsere unerfüllten Bedürfnisse doch alle. Die meisten Menschen haben das Gefühl, in ihrer Kindheit nicht genug Liebe von ihren Eltern bekommen zu haben. Die Unterschiede liegen meist darin, ob diejenige Person das Gefühl hatte, gar nicht geliebt zu werden, wenig geliebt zu werden oder zwar schon das Gefühl hatte, dass die Eltern sie lieben, es aber nicht ausdrücken konnten.


Wertschätzung und Lob haben die Meisten von uns ebenfalls zu wenig erhalten oder nur für Leistung, sodass das Kind verinnerlicht hat, dass es nur etwas wert ist, wenn es etwas leistet.


Das größte Problem hierbei ist, dass die meisten unserer Eltern selbst niemals wirklich reif geworden sind, Sie haben nie gelernt, sich selbst zu lieben. Sie haben nie gelernt, sich in sich selbst sicher zu fühlen. Sie haben nie gelernt, die Verantwortung für ihre Gefühle zu übernehmen. Und so weiter. Dadurch können sie natürlich auch ihren Kindern wichtige Dinge nicht beibringen und nicht geben.


Aber wir wollen uns hier nicht zu viel auf das Problem konzentrieren, sondern weiter gehen zu den Lösungen.


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Wie können wir uns nun selbst nachbeeltern (reparenting)?

Grundsätzlich gilt hier, dass es unglaublich viele Möglichkeiten gibt, dein inneres kind zu heilen und das alles, was sich für dich gut anfühlt, richtig ist. Ich habe natürlich als Kind andere Erfahrungen gemacht als du und deshalb fühlt sich für mich eine Sache vielleicht unglaublich toll an, bei der sich in dir absolut nichts tut.


Schritt 1: Reflexion meiner Beziehung zum inneren Kind

Trete deinem inneren Kind ehrlich und still gegenüber. Wie ist deine jetzige Beziehung zu ihm? Was empfindest du ihm gegenüber? Und was wünscht es sich von dir? Welche Aspekte des inneren Kindes bedürfen noch der Integration und Annahme?


Diese Fragen zu beantworten ist wichtig, um dir deiner Ist-Situation bewusst zu sein. Denn man kann nur verändern, was man auch weiß.


Schritt 2: Heilung meiner Beziehung zum inneren Kind

Nimm dir regelmäßig Zeit, um dein inneres Kind durch deine Liebe und Annahme zu heilen. Du kannst dich beispielsweise alle zwei Wochen mit dir selbst zu einer inneres Kind Meditation verabreden.


Du kannst entweder einfach Entspannungsmusik an machen und selbst eine Begegnung mit deinem inneren Kind visualisieren oder du lässt dich in einer geführten Meditation anleiten.


Schritt 3: Finde Zugang zu deiner Wildheit, Verspieltheit und Intuition

Es gibt auch einige Menschen, die mit diesen Seiten des inneren Kindes Probleme haben. Sie werden zu „Erwachsenen“ und entwickeln dann die Glaubenssätze: „Ich darf nicht albern sein.“, „Ich darf nicht kindisch sein.“ „Ich kann nicht einfach das machen, wonach mir ist: Entscheidungen müssen mit dem Kopf getroffen werden.“


Diese Anteile wollen natürlich auch integriert werden, damit wir als Mensch wieder ganz werden können.


Womit könntest du diese Anteile mehr in dein Leben einladen? Ist es vielleicht so wie bei mir ausgelassenes schaukeln? Oder gibt es eine bestimmte Sportart, bei der du dich richtig austoben kannst? Was hast du als Kind gerne gemacht?


Schritt 4: Reparenting durch andere

Ob du diesen Schritt gehen möchtest oder nicht, ist vielleicht Typsache. Ich finde die Idee sehr schön, beim Nachbeeltern meines inneren Kindes Hilfe von anderen anzunehmen.


Und das heißt nicht, dass ich Verantwortung für dieses Thema an jemand anders abgebe, sondern im Gegenteil: Gerade weil ich die Verantwortung für mein inneres Kind übernehme, gestehe ich ihm zu, in Beziehungen und Interaktionen bewusst Raum einzunehmen.


Das gilt besonders für Leute, die sich in Beziehungen gerne stark geben und ein Problem damit haben, ihren Kopf in den Schoß einer anderen Person zu legen und zu sagen: „Schreichle bitte mal meinen Kopf.“ Probiere es einmal aus und fühle in dich hinein, wie es dir damit geht.


Ich kann also bewusst andere in meinen Reparenting-Prozess einbinden.

Das heißt, natürlich kümmerst du dich in erster Linie selbst darum, dein inneres Kind zu heilen, du darfst aber an manchen Stellen auch Unterstützung von anderen dabei annehmen oder erfragen.


Schritt 5: Integration des inneren Kindes

Schule deine Wahrnehmung. Frage dich im Alltag immer mal wieder: Was will mein inneres Kind jetzt gerade?


Und versuche darauf zu achten, welche deiner Gefühle und Gedanken du deinem inneren Kind zuordnen kannst.


Wann spricht es und wie spricht es?


Vollkommen ganz werden können wir erst, wenn alle ausgegrenzten Anteile in uns wieder einen Platz finden. Das innere Kind will ein Stück vom Erwachsenen sein. Alles strebt nach Synthese und Einklang.


Und das Paradoxe ist: Je mehr Raum du deinem inneren Kind zugestehst, desto erwachsener im Sinne von wirklich reif wirst du. Denn das Kind muss sich dann nicht mehr über Umwege einen Weg suchen, um deine Beachtung zu bekommen. Es hat seinen Platz und deshalb lässt es dich an Stellen, an denen es sonst vielleicht über „irrationale“ Gefühlsausbrüche herausgekommen ist, einfach sein.


Also: Mache Frieden mit deinem inneren Kind. Mache Frieden mit dir selbst.



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Magersucht überwinden – Ein Erfahrungsbericht

Magersucht überwinden – Ein Erfahrungsbericht

Ich war magersüchtig.

Darüber zu sprechen fällt mir auch heute noch schwer. Aber ich denke, dass es wichtig ist.

Es ist generell wichtig, psychische Krankheiten aus dem Dunkeln zu holen und aus der Stigmatisierung. Es ist wichtig, aufzuhören, Krisen und Krankheiten unter den Teppich zu kehren.

Denn es betrifft uns alle auf die ein oder andere Art und Weise.

Also: Ich war magersüchtig. Wie hat das angefangen? Angefangen hat das mit der Magersucht als ich siebzehn Jahre alt war.

Ich war schon immer sehr konkurrenzorientiert. Wenn irgendjemand in etwas besser war als ich und ich die Chance sah, das zu ändern, dann setzte ich alles daran.

In der Schule führten wir ein Theaterstück auf und sowohl meine Zwillingsschwester als auch eine andere Mitschülerin trugen das gleiche Kostüm wie ich. Da wurde mir der Vergleich quasi aufgezwungen. Es gab das Kostüm in zwei Größen. Natürlich wollten alle das engere Kostüm tragen, so waren wir in diesem Alter.

Irgendjemand legte mir dann nahe, das größere Kostüm zu nehmen, weil die Mitschülerin, die es eigentlich trug, dünner sei als ich. Das war für mich ein Schlag ins Gesicht. Es ging hier vielleicht um 5 Kilo. Aber es war unerträglich für mich. Vor allem, weil meine Zwillingsschwester ein paar Kilo abgenommen hatte und jetzt auch schlanker war als ich.

Und so pflanzte ich den Samen in mich ein, der rückblickend betrachtet wohl der erste Schritt hin zur Magersucht war. Ich fasste den Entschluss, ein bisschen abzunehmen.

Ich fing an, Zeit auf unserem Heimstepper zu verbringen. Immer mehr Zeit.

Ich find an, Verpackungen umzudrehen und zu lesen, wie viel Kalorien, Fett und Zucker in den Produkten sind. Ich fing an, zu rechnen und zu planen. Von Zucker konnte ich mich nicht gut trennen, deshalb wurde er nur stark beschränkt. Fett allerdings flog fast komplett aus meiner Ernährung heraus. Wenn man etwas in der Pfanne oder im Backofen zubereiten konnte, entschied ich mich für den Backofen. Brot gab es ohne Butter oder Margarine. Für jede Mahlzeit, die unter meiner Kontrolle war (also alle außer das Mittagessen) gab es ein festes Kalorienbudget, das möglichst nur unterschritten, aber nicht überschritten werden durfte.

Und irgendwie ging das alles sehr schnell. Ich kann mich gar nicht an einen Punkt erinnern, an dem ich mein ursprüngliches Ziel erreicht hätte und dann vor der Entscheidung gestanden hätte, weiterzumachen oder nicht. Diesen Punkt gab es gar nicht. Ich war sofort in dieser Spirale drin.

Und das wirklich Negative an dieser Krankheit ist das, was im Kopf abgeht. Leute, die noch keinen Umgang mit der Krankheit Magersucht hatten, denken vielleicht, dass sie sich eher auf dem Körper bezieht, aber das ist leider nicht so.

Natürlich liegt der Krankheit eine negative Einstellung zum eigenen Körper zugrunde und in den meisten Fällen vermutlich auch ein krankes medial geprägtes Schönheitsideal, aber Hauptschauplatz dieser Krankheit sind die Gedanken.

Denn das Paradoxe ist: Je weniger man isst, desto mehr drehen sich die eigenen Gedanken um das Essen. Man plant im Kopf die nächsten Mahlzeiten und rechnet die Kalorien durch. Und das war für mich wie Terror: Ich hatte keine Kontrolle über meine Gedanken, es war so, als hätte etwas anderes von mir Besitz ergriffen. Als könnte ich gar nicht anders als daran zu denken. Wie eine Zwangsstörung.

Innerhalb von vielleicht einem halben Jahr ging es bei mir 20 Kilo runter. Und ich war auch vorher schon schlank.

Leute fingen an, besorgt zu sein. Ich empfand es als Angriff und verstand die Welt nicht mehr. Es war so, als wäre es gar nicht möglich, die Welt da draußen zufriedenzustellen. Als gäbe es gar keinen Zustand, in dem ich für die anderen richtig bin so wie ich bin. Erst war ich zu schwer und dann war ich zu leicht.

„Wo ist denn der Zustand, in dem ich genau richtig bin?“ Das fragte ich mich damals frustriert.

Trotzdem musste ich mich irgendwie mit der Kritik auseinandersetzen. Ob es Kritik oder Sorge war, kann ich gar nicht so genau sagen. Damals fühlte es sich wie Kritik an.

Ich versuchte zu dieser Zeit meines Lebens, perfekt zu sein. Ich verwendete jeden Tag morgens eine Stunde auf mein Make-Up. Ich war Klassenbeste. Ich wollte in allem die Beste sein. Warum? Weil ich mir davon versprach, glücklich zu werden. Einen besseren Weg hatte ich zu diesem Zeitpunkt leider noch nicht entdeckt.

Und so traf es mich hart, als Leute anfingen, zu fragen: „Malou, bist du eigentlich magersüchtig?“ Oder irgendwelche Kommentare über meinen Körper machten. Zumal ich immer noch nicht das Gefühl hatte, dünn genug zu sein.

Das ist ein sehr tückischer Mechanismus, der es Betroffenen erschwert, ihre Essstörung zu erkennen: Fettsüchtige sehen sich im Spiegel oft dünner als sie eigentlich sind und Magersüchtige und Bulimiker*innen sehen sich oft dicker als sie eigentlich sind.

Deswegen macht man auch oft in Kliniken die Übung, dass sich die betroffene Person auf ein lebensgroßes Blatt Papier legt und dann ihre Körperumrisse mit einem Stift abgezeichnet werden. Bei dieser Übung realisieren dann die Meisten, dass sie sich verzerrt wahrnehmen.

Ich hatte das Gefühl, dass ich von den anderen als schwach wahrgenommen werde. Dass die Welt eine Schwäche an mir entdeckt hatte, die ich ganz offen zur Schau trug und nicht verstecken konnte.

Ich wollte nicht schwach sein. Ich wollte anderen Menschen keine Angriffsfläche bieten. Ich wollte kein Mitleid. Ich wollte stark sein. Ich wollte gut sein.

Das war meine Hauptmotivation dafür, in eine Klinik zu gehen.

Meine Magersucht überwinden, der Klinikaufenthalt war der erste Schritt in diese Richtung.

In der Klinik wurde ich dann dazu gezwungen, zu essen und zuzunehmen, andernfalls hätte man mich rausgeworfen. Das heißt, ich musste jede Woche einen halben Kilo zunehmen und an allen Mahlzeiten teilnehmen und alles aufessen, was man mir vorsetzte. Das war ziemlich krass.

Bei einem Verstoß gab es eine Vorwarnung, beim zweiten die gelbe Karte und beim dritten war man raus.

Ratet mal, wie viele ich hatte?

Drei.

Aber aus irgendeinem seltsamen Grund hatte der Chefarzt Mitleid mit mir und ließ mich bleiben. Meine Bezugspsychologin war darüber sehr verwundert. Sie hatte schon Mädchen zetern und weinen sehen und sie mussten trotzdem gehen.

Doch es war mein Glück, dass ich bleiben durfte, denn alleine hätte ich es damals wohl nicht geschafft, mein Essverhalten zu ändern. Und so war ich drei Monate lang in dieser Klinik und machte dabei die Hölle durch. Magersucht überwinden – das ist harte Arbeit.

Neben dem Zunehmen stellte ich mir das erste Mal in meinem Leben Fragen wie: „Wie war meine Kindheit für mich?“, „Was für eine Beziehung habe ich zu meinen Eltern?“ und „Bin ich krank oder ist mein ganzes Familiensystem krank?“.

Nach diesen drei Monaten war ich gewichtsmäßig wieder einigermaßen im grünen Bereich und beantragte keine Verlängerung mehr. Viel hatte ich damals noch nicht über meine Psyche begriffen, aber ein Anfang war gemacht. Eine Tür wurde einen Spalt breit geöffnet, die ich mit der Zeit immer weiter öffnete bis mir die Spiritualität die Antworten gab, auf die ich so lange gewartet hatte.

Meine Magersucht überwinden konnte ich zu hundert Prozent erst, als ich alleine wohnte und Abstand zu meiner Familie bekam. Es war ein langsamer Prozess mit vielen Ups and Downs. Am Anfang versuchte ich mehr, das Symptom loszuwerden.

Aber irgendwann war es dann eine Heilung von innen heraus und ich konnte die Krankheit loslassen. Sie war nicht mehr notwendig.

Heute spüre ich wieder, wenn ich Hunger habe und wenn ich satt bin. Das klingt vielleicht selbstverständlich, aber während einer Essstörung verliert man das Gefühl dafür. Ich mache jeden Tag Übungen für meine Körperliebe, damit mir auch immer bewusst ist, wie schön und wertvoll mein Körper ist. Meine Magersucht überwinden: Das habe ich heute geschafft!

Und klar esse ich auch heute noch manchmal, um meine Gefühle zu kompensieren. Manchmal esse ich eine Packung Kekse, anstatt meine Gefühle zu fühlen. Oder ich esse erst eine Packung Kekse und fühle dann meine Gefühle.

Aber ich lasse kein Essen weg, wenn ich mich mal schlecht fühle. Ich mache viel Sport und ernähre mich ausgewogen. Mein Körper ist gesund. Und heute finde ich einen sportlichen Körper viel schöner als einen mageren Körper.


Befindest du dich gerade in einer ähnlichen Situation? Wenn du dich selbst in diesem Artikel wiederfindest und du Unterstützung bei deiner ganzheitlichen Heilung brauchst, schau mal hier in den Sessions rein.

Glück finden – Indem du diese 5 Grundlagen akzeptierst

Glück finden – Indem du diese 5 Grundlagen akzeptierst

Glücklich zu sein – Das ist doch eigentlich das Ziel von allen Menschen oder?

Naja, das denken zumindest alle Menschen von sich.

Welcher Mensch würde schon sagen: „Ach, Glück finden. Nee, das will ich gar nicht. Ich bin lieber unglücklich.“

Allerdings wäre das in vielen Fällen die ehrlichere Antwort. Die Menschen hängen so sehr an ihrem unglücklich sein. Sie investieren so viel in ihr Leiden. Sie machen sich Sorgen, konzentrieren sich überwiegend auf das Negative in ihrem Leben und beschweren sich andauernd über dieses und jenes.

Aber eigentlich ist es ja ihr Ziel, Glück zu finden und dafür würden sie alles tun. Davon sind sie überzeugt.

Was sie dabei übersehen, ist, wie sehr sie mit ihrem unglücklich sein verheiratet sind. Wie sehr sie es eigentlich lieben, unglücklich zu sein.

Denn, wenn man an etwas gewöhnt ist, dann gibt es einem Sicherheit. Und das unabhängig davon, ob es sich hierbei um etwas Gutes oder Schlechtes handelt.

Deshalb haben wir oft am meisten Angst vor den Dingen, die wir tief in uns drin so sehr wollen. Das hört sich ziemlich paradox an, ich weiß.

Somit ist die erste Grundlage:

1. Ehrliche Reflexion meiner Beziehung zum Glück

Erlaube ich mir selbst, glücklich zu sein? Wenn ich ganz ehrlich zu mir bin, wie viel meiner Energie und Zeit stecke ich in mein Unglück und wie viel Energie und Zeit stecke ich wirklich in das Glück finden?

Das heißt, es ist zuallererst einmal wichtig, mir darüber bewusst zu werden, wie meine Einstellung zum Glück ist. Wie mein Wunsch aussieht in Bezug auf das glücklich sein. Ob mein Verhalten diesem Wunsch entspricht oder ob ich mich selbst beim Glück finden eigentlich die ganze Zeit auf irgendeine Art und Weise sabotiere.

Hierzu gehört Ehrlichkeit und Mut. Doch dieser Schritt ist unbedingt notwendig, um dann im zweiten Schritt meine Beziehung zum Glück zu verändern.

2. Ich bin selbst für mein Glück verantwortlich

Eigentlich ist es so klar und selbstverständlich, dennoch liegt hier bei einigen Menschen ein großes Missverständnis vor. Denn wie viele Menschen erwarten bewusst oder unbewusst, dass ihr Partner, ihre beste Freundin, ihre Familie, sie glücklich machen soll?

Wenn du ganz ehrlich zu dir bist: Wann hast du das letzte Mal von jemand anderem erwartet, dass er dich glücklich machen soll und warst dann enttäuscht oder sauer auf diese Person?

Hier entstehen ganz viele Konflikte in Beziehungen oder Beziehungen gehen ganz daran kaputt. Wie geben die Verantwortung für unser Glück ab und sagen: „Er oder sie soll mich glücklich machen.“

Damit sind wir natürlich fein raus und können dann auch nichts dafür, wenn diese Person „uns unglücklich macht“. Denn wir waren dem ja hilflos ausgeliefert.

Das Problem an der Sache ist nur, dass wir, wenn wir die Macht über uns abgeben, damit auch unsere Handlungsfähigkeit abgeben.

Wenn wir glauben, unser Glück liegt in der Hand eines anderen – Dann liegt es auch in der Hand eines anderen.

Wenn wir glauben, wir sind nur ein Fähnchen im Wind und das Leben / Gott / das Schicksal / der Zufall kann mit uns spielen – Dann ist es auch so.

Die Möglichkeiten, dein Leben zu gestalten, sind da. Aber nur, wenn du auch weißt, dass es alleine in deiner Hand liegt, glücklich zu sein. Es ist deine Verantwortung, dich selbst glücklich zu machen. Jemand anders hat damit nichts zu tun.

Es ist nicht der Job deiner Freundin, dich glücklich zu machen. Es ist nicht der Job deiner Mutter, dich glücklich zu machen. Es ist nicht der Job von deinem Sohn, dich glücklich zu machen.

Es ist nur dein Job, dich glücklich zu machen. Also übernimm jetzt die volle Verantwortung für dein Glück und nur für dein Glück. Denn andersherum bist du natürlich auch nicht dafür verantwortlich, dass jemand anders glücklich ist. Lass die Verantwortung des anderen die Verantwortung des anderen sein.

3. Wahres Glück kommt von innen

Das ist für mich eine der größten Weisheiten des Buddhismus: Wir projizieren die ganze Zeit unser Glück auf andere Dinge, die wir dann erreichen wollen.

Wir denken: „Wenn ich diesen Job habe, dann kann ich glücklich sein. Wenn ich jenen Partner habe, dann kann ich glücklich sein. Wenn ich mir ein solches Auto leisten kann, dann kann ich glücklich sein.“

Und so gehen wir jahrelang durch unser Leben, immer im Kopf damit beschäftigt, was es als Nächstes zu erreichen gilt. Immer mit dem Mindset: „Es ist noch nicht gut so, wie es ist. Ich brauche noch etwas (Externes), damit ich Glück finden kann.“

Und wenn wir dann die Sache haben, auf die wir unser Glück ausgelagert und projiziert haben, dann stellt sich meist für einen kurzen Moment lang ein Gefühl der Befriedigung ein. Einen kurzen Moment lang können wir aufatmen, loslassen, zufrieden und präsent im Hier und Jetzt sein.

…Doch zwei Minuten später: „Hoppla, irgendwie war´s das wohl doch nicht. Hm, dann ist es doch etwas anderes….Vielleicht bin ich glücklich, wenn ich endlich das Haus habe, von dem ich schon immer geträumt habe.“

Und dann geht es weiter: Du arbeitest und arbeitest – Im Außen und in deinem Kopf, die ganze Zeit dafür, dieses Haus zu bekommen.

Du projizierst also dein Glück auf die Erreichung eines anderen Objektes.

Aber was du damit innerlich machst, ist genauso zielführend, wie bei dem letzten Objekt, auf das du dich konzentriert hast.

Ein Objekt wird uns nie dauerhaft glücklich machen. Das ist nicht möglich.

Wenn wir das erst einmal begriffen haben, stellt sich die Frage: „Aber wie kann ich dann dauerhaft Glück erschaffen?“

Die Antwort darauf lautet: „Indem du den Blick nach innen richtest, anstatt nach außen.“

Niemand ist deshalb glücklich, weil er im Außen die Dinge hat, die er will und braucht. Sondern wir finden die Dinge im Außen, die zu dem Zustand des glücklich seins passen, weil dieser Zustand in uns drin ist.

Alles, was du im Außen haben kannst, ist vergänglich. Deine Partnerin kann dich verlassen. Deine Kinder ziehen irgendwann aus und du hast vielleicht nicht mehr so viel Kontakt zu ihnen. Deinen Job kannst du verlieren. Dein Auto kann geklaut werden.

Das heißt, es gibt kein Objekt, was immer da sein wird. Deshalb ist es auch nicht klug, sein Glück an ein Objekt zu koppeln.

Was ist das Einzige, was du immer haben wirst und immer hattest – Von deiner Geburt bis zum Tod?

…Das bist du selbst! Oder auch dein Geist, was der buddhistische Begriff für den Teil von uns ist, der unsterblich ist.

Und wenn dieser Teil der einzige unvergängliche Teil unseres Lebens und von uns selbst ist, dann kann natürlich auch nur er die Quelle für wahres Glück sein. Klingt logisch oder?

Wenn das Glück woanders her kommt, dann wird es immer nur von kurzer Dauer sein. Und andersherum, wenn wir innerlich wirklich Glück finden, dann ziehen wir natürlich im Außen auch immer Sachen an, die zu diesem inneren Glück passen.

4. Glücklich sein ist eine Entscheidung

Zuletzt noch der Hinweis: Niemand ist glücklich, weil er Glück HAT. Du musst selbst innerlich die Entscheidung treffen, dass du glücklich bist.

Es kommt nicht von außen und Glück ist kein Zufall. Glück ist eine Entscheidung, die jeder für sich treffen kann.

Gehe einmal in dich und treffe diese Entscheidung. Du wirst erstaunt sein, welche neuen Möglichkeiten und Gefühle sich daraufhin in deinem Leben offenbaren.

5. Glück kann nur im JETZT stattfinden

…Und Glück findet niemals in der Zukunft statt.

Die Zukunft ist nur eine Fiktion, eine Vorstellung in deinem Kopf.

Was ist die Zukunft?

Niemand hat sie je persönlich getroffen.

Die einzige Zeit, die wirklich existiert, ist die Gegenwart.

Die Verlagerung des Glücks in die Zukunft führt dazu, dass der Zustand des glücklich seins nie erreicht wird. Glück finden wird unmöglich, wenn du es nicht ins Hier und Jetzt holst.

Hier nochmal die Hard Facts über das Glück finden:

Obwohl wir glauben, wir würden glücklich sein wollen, sabotieren wir uns oft dabei selbst. Sich über diesen Widerspruch bewusst zu sein, ist das Heilmittel dafür, in dein Unglück statt in dein Glück zu investieren.

Wir sind selbst für unser Glück verantwortlich und wir sind nur für unser Glück verantwortlich.

Glück kommt aus deinem Inneren und im Außen danach zu suchen, wird dich immer nur kurzfristig glücklich machen. Dauerhaftes Glück entsteht in deinem Inneren und wird dann durch die äußeren Objekte reflektiert. Die Quelle ist jedoch immer innen.

Niemand hat Glück, sondern glücklich sein ist eine Entscheidung, die du selbst treffen kannst.

Glück kann nur im Jetzt stattfinden und niemals in der Zukunft.

Also triff JETZT die Entscheidung, dass du selbst glücklich bist. Denn du hast es verdient. Du bist es wert, glücklich zu sein und du brauchst dafür keines der externen Dinge, die du denkst, dafür zu brauchen.

Innerer Kritiker: Wie du ihm seine Macht entziehst

Innerer Kritiker: Wie du ihm seine Macht entziehst

Kritisierst du dich oft? Öfter als dir lieb ist?

Willst du endlich lernen, mit dieser negativen Selbstkritik aufzuhören und den inneren Kritiker entmachten?

Dann bist du hier genau richtig.

Wahrscheinlich kennst du das Konzept vom inneren Team oder auch von inneren Anteilen. Hierbei gibt es verschiedene Teammitglieder, die für verschiedene Menschen natürlich auch verschieden wichtig sind.

Es gibt allerdings Anteile, die für sehr viele Menschen ein wichtiges Thema sind. So zum Beispiel das innere Kind.

Auch der innere Kritiker ist für viele Menschen ein Thema oder wird irgendwann zum Thema. Nämlich dann, wenn unser Bewusstsein immer größer wird und wir irgendwann feststellen: „Wow, ich mache mich selbst immer ziemlich hart fertig.“

Wenn du an dem Punkt bist oder schon an dem Punkt warst, wo du das festgestellt hast, dann bist du schon ziemlich weit. Denn hart zu sich selbst zu sein ist ein so beliebter Volkssport, dass viele Menschen gar nicht auf die Idee kommen, dass das vielleicht gar nicht so gut ist. Jeder macht es ja schließlich so.

Hat dich schon mal jemand für deine Arbeit gelobt und du hast darauf erwidert: „Naja, also so toll ist das ja gar nicht. Eigentlich hätte man das und das besser machen können und jeder andere hätte das echt genauso gut hingekriegt.“?

Auch wenn ich mich aus feministischen Gründen und wegen der Selbstliebe gar nicht mehr so verhalten will, ertappe ich mich manchmal immer noch dabei, wie ich zu einer solchen Antwort ansetze. Einfach weil dieses Verhalten gesellschaftskonform ist und ich mich sonst damit auseinandersetzen muss, dass die andere Person mich vielleicht arrogant oder selbstzufrieden findet.

Es ist einfach ein Prozess und immer, wenn ich mich dabei ertappe, in dieses Selbstkritik-Muster zu gehen, komme ich zurück zur Liebe und sage: „Danke. Ich bin auch ziemlich stolz auf meine Arbeit. Ich bin zufrieden damit.“

Probier es mal aus, wenn dich das nächste Mal jemand lobt. Du wirst wahrscheinlich die lustigsten Gefühle durchmachen.

Härter als das Arbeiten am Außen, ist jedoch die Arbeit im Inneren. Denn es heißt ja auch „innerer Kritiker“. Das heißt, hauptsächlich treibt er in unserem Innenleben sein Unwesen.

 

Innerer Kritiker: Wie erkennt man ihn?

Wenn du dem Selbstgespräch, das im Wachzustand die ganze Zeit unaufhörlich in dir abläuft, aufmerksam zuhörst, lernst du mit der Zeit, verschiedene Instanzen zu identifizieren.

Den inneren Kritiker erkennt man an verschiedenen Dingen: Ihm ist es nie gut genug, was du tust.

Wenn du etwas Tolles geleistet hast und für einen Moment zufrieden bist und dann kommt eine Stimme, die sagt: „Naja, aber das hätte man ja schon noch etwas ordentlicher machen können.“ -> innerer Kritiker spricht gerade

Wenn du einen Vortrag gehalten hast und danach hörst du eine Stimme, die sagt: „An der Stelle hast du dich verhaspelt, dort hast du einen Punkt ausgelassen und überhaupt hast du etwas unsicher auf die Zuhörer gewirkt. Das machst du nächstes Mal besser.“ -> innerer Kritiker spricht gerade

Wenn du gerade ganz entspannt auf der Couch sitzt, deine Lieblingsserie schaust und plötzlich sagt jemand: „Du verschwendest gerade sinnlos deine Zeit. Du müsstest noch dies und das machen. Du solltest dich schämen, so faul rumzuhängen. -> innerer Kritiker spricht gerade

Wenn du ein paar Tage lang keine Zeit oder keine Ruhe zum Meditieren / Yoga / Sport / … gefunden hast und als dir das bewusst wird, sagt eine Stimme zu dir: „Wow, du kümmerst dich ja toll um dich. Willst gesund und glücklich sein, aber tust nichts dafür. Du musst das jeden Tag machen. Alles andere ist Faulheit. Natürlich hättest du dir die Zeit dafür nehmen können.“ -> innerer Kritiker spricht gerade

 

Innerer Kritiker: Welche Funktion hat er?

Der innere Kritiker hat ursprünglich eine positive Funktion. Wie eigentlich alle Instanzen, Verhaltensweisen, Gefühle , und so weiter – Sie wollen uns alle auf ihre Art mit irgendetwas weiterhelfen und uns bereichern.

Probleme entstehen da, wo Dinge aus der Balance geraten.

Ursprünglich ist der innere Kritiker dazu da, konstruktive Kritik auszuüben. Das heißt, es ist seine Aufgabe, dich durch Verbesserungsvorschläge und Antreiben weiterzubringen.

Denn stelle dir einmal vor, es gäbe den inneren Kritiker gar nicht.

Würdest du dann weiterkommen? Würdest du dann deine Ziele erreichen? Würdest du dann deine Dunkelheit und die ganzen Narben deiner Kindheit transformieren und heilen? Nein!

Denn dazu brauchen wir den inneren Kritiker.

Er sagt uns: „Es ist noch nicht gut so, wie es ist. Wenn du weiter an diesem und jenem arbeitest, dann kannst du in einen glücklicheren / besseren Zustand kommen.“

Niemand wird geboren und ist schon direkt da, wo er einmal hinwill im Leben. Und oft liegen die Sachen, die wir uns wünschen für unser Leben, nun einmal außerhalb unserer Komfortzone. Und dann sollten wir den Arsch hochkriegen und uns holen, was wir wollen. Das kostet oft Anstrengung und Geduld. Oft müssen wir dafür an uns arbeiten und Dinge lernen, verändern und Verhaltensweisen ablegen. Bei all diesen Dingen hilft uns die Instanz innerer Kritiker.

Richtig eingesetzt kann er also ein Diener der inneren Transformation sein.

 

Innerer Kritiker: Seine Schattenseiten

Falsch eingesetzt kann der innere Kritiker allerdings sehr viel Schaden anrichten. Er kann dem Selbstwertgefühl schaden, der Selbstakzeptanz, der Heilung und vor allem kann er zum Gegenspieler der Selbstliebe werden.

Denn was passiert, wenn wir uns selbst unnötig hart und unnötig oft kritisieren? Wir senden uns die ganze Zeit das Signal: „Du bist nicht gut, so wie du bist. Du musst an dir arbeiten. Du musst erst etwas leisten oder etwas werden, um liebenswert zu sein.“

Das ist natürlich total schädlich, wenn wir auf dem Weg der Selbstliebe sind.

Wenn der innere Kritiker außer Kontrolle gerät, kehrt sich seine Funktion ins Negative um.

Wenn er die ganze Zeit in unserem Inneren auf Autopilot läuft und uns alle Liebe und Freude abgräbt – Dann wird er zum echten Problem und es wird Zeit, zu handeln.

 

Innerer Kritiker: Tipps zum Umgang mit ihm

Wenn du dich in der Beschreibung der Schattenseiten des inneren Kritikers wiederfindest, dann kann ich mir vorstellen, dass du etwas unzufrieden darüber bist, dass der innere Kritiker so viel Macht über dich hat.

Der innere Kritiker hat seinen Wert, aber er sollte nicht die Kontrolle über dich übernehmen. Hier gilt es, das Bewusstsein zu trainieren.

Ich habe mir zum Beispiel ein Zeitlang jeden Tag eine Erinnerung in meinem Handy eingerichtet, die mich zu einer bestimmten Uhrzeit gefragt hat: „Kritisierst du dich gerade selbst?“

Durch diese Erinnerung bin ich mir regelmäßig darüber bewusst geworden, was gerade in meinem Kopf abgeht. Welche Instanz gerade spricht und wie ich gerade mit mir selbst umgehe.

Solche Krücken sind wahnsinnig hilfreich, um zu lernen, konditionierte Gedankenmuster zu unterbrechen und zu durchschauen.

Wenn du dir also darüber bewusst wird, dass gerade der innere Kritiker die Macht übernommen hat, hol sie dir einfach zurück.

Dafür musst du nur ins Zwiegespräch mit dir selbst gehen. Du installierst eine andere Instanz, einen inneren Akzeptierer, der mit dem inneren Kritiker diskutiert. Wenn der innere Kritiker behauptet, du hättest noch nicht genug gemacht oder hättest es nicht gut genug gemacht, dann kann der innere Akzeptierer dagegen halten. Er kann dann entgegnen: „Naja, aber eigentlich hast du doch schon relativ viel gemacht. Andere Menschen machen auch nicht mehr als du. Es ist völlig in Ordnung, wenn du jetzt aufhörst und du kannst mit deinem Werk zufrieden sein.“

Es kann auch helfen, dir vorzustellen, du würdest gerade über eine gute Freundin oder einen guten Freund urteilen und nicht über dich. Wärst du dann genauso hart? Oder würdest du nicht viel eher die andere Person wohlwollend betrachten und das wertschätzen, was er oder sie geleistet hat?

 

Nochmal die wichtigsten Aussagen dieses Artikels zusammengefasst: Der innere Kritiker ist Teil der inneren Teams. Er hat eine wichtige und positive Funktion. Wenn er außer Kontrolle gerät und auf Autopilot läuft, kann er allerdings mehr Schaden als Nutzen anrichten. Deshalb gilt auch hier, dass das richtige Maß entscheidend ist. Ein bisschen konstruktive Selbstkritik hilft uns, unsere Ziele zu erreichen. Jedoch hört es auf, wenn es in negative Selbstkritik ausartet. Hier hilft es, sich bewusst zu werden und eine wertschätzende und akzeptierende Instanz zu entwickeln, die dem Kritiker Einhalt gebietet.

Herz und Verstand – Einklang statt Krieg

Herz und Verstand – Einklang statt Krieg

Bei der Frage – Rationalität oder Liebe? Herz oder Kopf? – Unterliegen wir alle einer gesellschaftlichen Prägung.

Wir leben in einer Gesellschaft, die uns dazu erzieht, unseren Verstand immer mehr zu kultivieren.

Erst wirst du in die Schule geschickt und dort sollen dir Lehrer und Lehrerinnen das Denken beibringen. Sie sollen dir beibringen, zu abstrahieren, zu multiplizieren, zu philosophieren und Gleichungen nach x aufzulösen.

Und diese schulische Bildung ist DAS Mittel, um Bestätigung zu bekommen. Denn, wenn du dich in der Schule gut machst, dann bekommst du eine Menge Anerkennung. Diese Bestätigung kommt dem Gefühl, geliebt zu werden, vielleicht noch am nächsten kommt in kapitalistischen Gesellschaften.

Deine Eltern loben dich. Deine Lehrer*innen loben dich.


Die Unterdrückung des Herzens

Was dem Menschen damit signalisiert wird, ist, dass er etwas tun muss, um liebenswert zu sein.

Er muss sich auf eine bestimmte gesellschaftlich akzeptierte Art und Weise verhalten, damit er in dieser Gesellschaft Wertschätzung erfährt. Und diese Wertschätzung ist in der kapitalistischen Leistungsgesellschaft untrennbar gebunden an die Leistung des Verstandes.

Stelle dir nur einmal vor, es gäbe in der Schule ein Fach Namens: emotionale Intelligenz. Oder: Spiritualität und Psychologie.

Stelle dir nur einmal vor, du kämst morgens in die Schule und vor dem Unterricht würde die Lehrperson zehn Minuten lang eine Meditation anleiten.

Stelle dir nur einmal vor, deine Lehrer*innen würde zu dir sagen: „Du bekommst für meinen Unterricht eine 1+, denn du hast wirklich gelernt, dein Herz zu öffnen. Deine Liebesfähigkeit hat sich unglaublich entwickelt in diesem Schuljahr. Du bist ein*e sehr bereichernde*r Schüler*in!“

….unvorstellbar oder?

Nach dieser Schulzeit, die dich zum guten und tüchtigen Denker erziehen soll, kommt dann eine Phase, in der die Gesellschaft sich einen tüchtigen Arbeitnehmer wünscht. Und auch dieser Arbeitnehmer ist auf eine solche Weise konzipiert, dass er vor allem in seinem Verstand leben soll.

Denn die meisten Menschen entscheiden sich nach rationalen Kriterien für ihren Job: Womit verdient man am meisten? Welcher Beruf hat viel Prestige? Womit würde ich meine Eltern stolz machen?

Das Herz wird bei dieser Wahl selten befragt. Und auch während der ganzen Jahrzehnte als Arbeitnehmer stellen sich die wenigsten Menschen zwischendurch mal die Frage, ob dieser Job denn eigentlich immer noch passt. Sie bleiben dabei, weil sie sich einmal dafür entschieden haben und weil es ja auch vernünftig ist.

„Etwas anderes zu machen ist ja auch eigentlich gar nicht mehr möglich in meinem Alter. Und ich habe ja auch Verantwortung meinen Kindern gegenüber.“

Das Herz wird also so gut es geht ignoriert, unterdrückt und mit einer dicken Eisschicht überzogen.


Herz und Verstand ins Gleichgewicht bringen

Doch wahre Einheit und wahres zufrieden sein kann nur entstehen, wenn ein Mensch mit Herz und Verstand im Einklang ist.

Das heißt, ich schlage hier nicht vor, den Verstand völlig zu ignorieren und nur noch auf das Herz zu hören.

Dann würden wir wieder den gleichen Fehler machen, nur dieses Mal andersherum.

Es geht um Einheit. Es geht um Balance. Herz und Verstand wollen ihren Platz haben.

Und das kann nur erreicht werden, wenn wir lernen, in den richtigen Situationen unser Herz um Rat zu fragen und in den richtigen Situationen auf unseren Verstand zu hören.

Was meine ich damit?

Wenn du zum Beispiel in einer Partnerschaft bist und rational gesehen wäre es total klug, für immer zusammen zu bleiben, aber du liebst deinen Partner / deine Partnerin nicht mehr – dann solltest du natürlich auf dein Herz hören, denn das ist keine Entscheidung des Verstandes.

Wenn du deinen Job gerne Hals über Kopf kündigen würdest, aber das zu ernsthaften finanziellen Problemen führen würde, dann solltest du vielleicht den Job noch behalten und dir aus dem Job heraus einen Neuen suchen. Auch wenn das bedeutet, dass dein Herz ein bisschen leidest, weil du noch einen Job machst, den du eigentlich gar nicht willst.

Es geht mir darum, den Verstand aus seiner übermäßigen Erhöhung zu befreien.

Denn Dinge mit dem Verstand zu betrachten, macht uns nicht unbedingt glücklich. Und glücklich sein ist doch am Ende das, was wir alle wollen oder?

Also: Der Verstand hat durchaus seinen Wert, aber er hat auch seine Grenzen. Deswegen brauchen wir Herz und Verstand.

Mit dem Verstand umzugehen, das wurde uns allen zur Genüge beigebracht. Darin brauchen wir nicht noch mehr Übung. Und diese Welt braucht nicht noch einen rationalen Menschen, noch einen Wissenschaftler, noch eine Kritikerin.

Worauf es jetzt wirklich ankommt, ist, dass wir lernen, mit unseren Gefühlen umzugehen. Emotionale Kompetenz zu entwickeln, das ist das, was dem modernen westlichen Menschen im 21. Jahrhundert fehlt.


Die Stimme des Herzens

Ja, und wie macht man das nun? Mit den Gefühlen umgehen?

Erst einmal ist auch das ein Prozess. Niemand wird von heute auf morgen vom Kopf- zum Herzensmensch. Was wir aber tun können, ist, jetzt den ersten Schritt dafür zu tun, in eine Balance zu kommen. Wir können anfangen, unser Innenleben zu erforschen und die Stimme unseres Herzens wahrzunehmen.

Was meine ich damit: Stimme des Herzens?

Damit meine ich deine Intuition.

Die Meisten von uns haben leider völlig verlernt, auf sie zu hören.

Aber auch das können wir wieder erlernen. Immer, wenn du vor einer Entscheidung stehst, meldet sich wahrscheinlich die Stimme deines Verstandes und wägt die Vor- und Nachteile verschiedener Optionen für dich ab.

Wenn du A machst, könnte das zur Konsequenz X führen und wenn du B machst, könnte das zur Konsequenz Z führen. Und so weiter, und so weiter…

Doch neben dieser Stimme deines Verstandes gibt es eigentlich auch noch die Stimme deines Herzens.

Hast du je wahnsinnig mit einer Entscheidung gerungen und du hast nicht verstanden, warum? Schließlich war diese Entscheidung doch die einzig Vernünftige und alles andere wäre völlig schwachsinnig gewesen.

Du hast wahrscheinlich deswegen mit dieser Entscheidung so gekämpft, weil dein Herz eigentlich etwas anderes wollte. Du hast die Stimme deines Herzens aber nicht hören wollen; du hast sie unterdrückt.

Und auch hier: Ich bin nicht der Meinung, dass man immer auf seine Intuition hören sollte. Aber: Man sollte beide Optionen kennen, beide Stimmen hören, damit man wirklich eine gute Entscheidung treffen kann, die alles für dich Wichtige berücksichtigt.


Übung:

Wenn du das nächste Mal vor einer Entscheidung stehst und du wirst dir in dem Moment bewusst, dann horche einmal in dich hinein.

Werde zur neutralen Beobachterin / zum neutralen Beobachter.

Frage in dich hinein: „Verstand, was würdest du jetzt machen?“ Und dann lausche auf die Antwort.

Anschließend frage: „Herz, was würdest du jetzt machen?“ Und dann lausche wieder der Antwort.

Höre beiden Instanzen neutral zu und triff dann eine Entscheidung.

Eine freie Entscheidung.

Eine bewusste Entscheidung.

Kenne deinen Verstand, aber kenne auch dein Herz.

Beherrsche das Denken, aber beherrsche auch das Fühlen.